Die erste Methode, um Wärme zu erzeugen, war das offene Feuer. Es war nicht einfach, es zu entfachen. Glücklicherweise hat die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte viele verschiedene Alternativen erfunden. Die Geschichte des Heizens in Wien ist reich und interessant, mehr darüber erfahren Sie hier viennaname.eu.
Beliebte „Amerikaner“ und Kohle

Das Zuhause ist ein Ort, an dem man sich entspannen, eine schöne Zeit mit seiner Familie verbringen und die Ruhe genießen kann. Früher fanden solch alltägliche Dinge in dem Zimmer statt, in dem sich der Ofen befand, der somit die Zentralheizung der Wohnung darstellte.
Ende des 19. Jahrhunderts war die „Amerikaner“-Heizung ein wahrer Luxus. So nannte man eine Zentralheizung, die die Wohnung mit Dampf aus einer im Keller befindlichen Anlage beheizte. Die erste „Amerikaner“-Heizung in Wien wurde 1880 in der kaiserlichen Hofburg installiert, genauer gesagt in einer luxuriösen Residenz an der Ringstraße. Der Name leitet sich davon ab, dass solche Systeme in den USA weit verbreitet und sehr beliebt waren.
Um 1900 wurden die Wohnungen der Mittelschicht mit gemauerten Öfen beheizt. Damals war die Energiequelle selbst für die „Amerikaner“-Heizungen Kohle, die aus Böhmen und Galizien nach Wien gebracht wurde. Auch die Stromerzeugung basierte auf Steinkohle. Die Gewinnung, Lagerung und das Heizen mit Kohle waren jedoch aufwendig. Der Brennstoff wurde regelmäßig von Händlern nach Wien geliefert und in den Kellern gelagert. In jedem Keller saß ein Aufseher, der den Leuten täglich ihre Tagesration (1 Eimer) Kohle zuteilte.
Die Kohle musste alle 3-4 Stunden nachgelegt werden, damit das Feuer nicht ausging.
Der Kachelofen – ein Zeichen des Wohlstands
In den Häusern der Reichen glichen die Öfen wahren Schmuckstücken, sie wurden mit prachtvollen Elementen verziert und mit bemalten Kacheln versehen, die Reichtum symbolisierten. Damals waren Kachelöfen ausschließlich dem Adel vorbehalten. Das Heizen der Öfen wurde den Dienern anvertraut.
Um die Jahrhundertwende wurden im schnell wachsenden Wien bereits große Heizsysteme eingesetzt. Der damalige Bürgermeister Karl Lueger förderte die „schöne Stadt“ und baute die städtische Infrastruktur für Strom- und Wärmeversorgung aus. In dieser Zeit begann man, öffentliche Gebäude mit modernen Kesselanlagen zu heizen. Im Otto-Wagner-Spital zum Beispiel wurde ein gusseiserner Dampfkessel verwendet, der mit Kohle befeuert wurde. Ein Rohrsystem verteilte dann den heißen Dampf zu den Heizkörpern im Krankenhaus.
Der Kohlemangel

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kohle zur Mangelware. Die Bevölkerung der Stadt wuchs rapide, und der Energiebedarf stieg ebenfalls. Da Wien durch die neuen Grenzen von seinen Versorgungszentren abgeschnitten war und das Transportsystem zusammengebrochen war, herrschte im Winter 1918 ein akuter Kohlemangel.
Infolgedessen versuchte die Stadtregierung, die Menschen zum Sparen anzuhalten. Im Herbst 1918 wurde der tägliche Gasverbrauch pro Haushalt begrenzt und der Straßenbahnverkehr teilweise eingestellt. Die Menschen lebten in großer Not. In dieser Zeit wurde der Wienerwald fast vollständig abgeholzt, da die Stadtbewohner das Holz mit Handkarren abtransportierten.
Das Heizen mit Kohle war jedoch unbeliebt, da die Luft durch Ruß, Schmutz und Schwefelpartikel verschmutzt wurde. In den 1950er Jahren begann Wien, Erdgas als Energiequelle zu nutzen.
Von Kohle zu Gas

Im Jahr 1926 waren etwa 330.000 von 550.000 Wohnungen in Wien an das Gasnetz angeschlossen. Die Gasversorgung war günstig.
Anfangs wurde Gas in den Haushalten nur zur Beleuchtung, später aber auch zum Heizen verwendet.
Die in Wien errichteten Gaswerke produzierten zunächst sogenanntes Stadtgas – ein Brenngas, das durch die Vergasung von Kohle gewonnen wurde. Das erste Gaswerk wurde 1899 in Simmering in Betrieb genommen.
Es verfügte über eine Ofenhalle mit über 180 Öfen und 5 Gasometern. Der vollständige Umstieg auf Erdgas erfolgte im Zeitraum von 1969 bis 1978. Aufgrund des unterschiedlichen Heizwertes und Betriebsdrucks von Erdgas mussten alle Gasgeräte in Haushalten und Industrie ausgetauscht werden.
Im modernen Wien wird die Fernwärmeversorgung durch drei Müllverbrennungsanlagen gewährleistet: Spittelau, Simmeringer Haide und Flötzersteig. Zusätzlich wird mit Gas und Strom geheizt.
