Im Jahr 2019 fand in Wien eine umfassende Abfallreform statt, die in der Öffentlichkeit kontroverse Diskussionen über den Sinn des ökologischen Baus von Müllverwertungsanlagen auslöste. Die einen sind der Meinung, dass solche Betriebe der Umwelt schaden, andere sehen es genau umgekehrt. Welchen Einfluss die Wiener Anlage Spittelau auf die Umwelt hat, lesen Sie hier viennaname.eu.
Inbetriebnahme

Diese Müllverwertungsanlage entstand nicht auf freiem Gelände. Bis 1988 befand sich hier das Werk zur thermischen Behandlung von Hausmüll „Spittelau“. Ein Großbrand zerstörte das Gebäude vollständig. Der damalige Bürgermeister erteilte jedoch keine Abrissgenehmigung, sondern entschied, daraus ein weiteres Meisterwerk zu schaffen, das der Stadt und ihren Bewohnern großen Nutzen bringen sollte.
Der Architekt des Projekts verwendete einfache Materialien wie Stahl, Glas und Email. Er verputzte die Fassade, setzte Fenster in unterschiedlichen Größen ein und gestaltete dekorative Elemente aus Fliesen- und Metallstücken. Mit anderen Worten: Er plante das Design der künftigen Anlage bis ins kleinste Detail. Das Ergebnis: Jedes Detail und jeder Farbakzent stehen im Zusammenhang mit dem Thema Umweltfreundlichkeit.
Die Müllverbrennungsanlage befindet sich mitten im Zentrum Wiens, umgeben von gehobenen Wohnvierteln. In der Nähe liegen eine Universität und eine U-Bahn-Station. Die Anwohner berichten, dass es weder Rauch noch Geruch gibt – denn aus dem Schornstein steigt lediglich Wasserdampf auf.
Innovative Müllverbrennungstechnologien

Die Ingenieure mussten ganze Arbeit leisten, um eine einzigartige Technologie zur Müllverbrennung zu entwickeln.
Die Wiener sind seit Langem an die getrennte Sammlung von Hausmüll gewöhnt. Ein Teil davon wird wiederverwendet – entweder recycelt oder an Bedürftige weitergegeben –, doch es bleibt immer noch Abfall übrig, der verbrannt werden muss. Solcher Müll wird täglich zur Anlage gebracht.
Große LKW fahren auf eine Waage und kippen ihre Ladung in einen riesigen Container. Von dort befördern zwei Kräne den Müll portionsweise auf ein Förderband, wo zunächst eine Reinigung erfolgt. Der sortierte Abfall wird gepresst und zum Rost transportiert, wo er verbrannt wird.
Bemerkenswert ist, dass die Öfen mit dem verbrannten Müll selbst betrieben werden. Nur beim Anheizen der Brennkammer nach der jährlichen Wartung kommt Gas zum Einsatz. Ansonsten erfolgt die Wärmeerzeugung ausschließlich aus der Energie der Abfallverwertung. Die Aufgabe des Personals besteht darin, Nachschub an Müll zu geben und Luft in den Unterzug zu leiten.
Der schmutzigste Arbeitsschritt ist das Entladen der Müllfahrzeuge. Dieser Prozess findet jedoch in einem gut isolierten, hermetisch abgeschlossenen Raum statt, sodass keine Gerüche nach außen dringen. Interessant ist, dass die Verbrennung von einer speziellen Kontrollzentrale aus gesteuert wird, die voller Monitore steht.
Einzigartiges Rauchfiltersystem

Schaut man sich das Gebäude der Anlage an, sieht man goldene, in der Sonne glänzende Kugeln und riesige Rohre. Diese dienen nicht nur als Dekoration, sondern sind auch leistungsstarke Filter. Ihre Entwicklung, die die Hälfte der gesamten Projektkosten ausmachte, wurde aus der Stadtkasse finanziert.
Die dreistufige Reinigung sorgt zuverlässig für eine deutliche Reduzierung der Schadstoffe in den Abgasen. Dadurch werden die Emissionen auf ein Minimum gesenkt – Spitzenwerte im Vergleich zu anderen europäischen Müllverbrennungsanlagen.
Zunächst wird der Rauch mithilfe eines dreistufigen Elektrofilters von Staub befreit, anschließend durch eine Spezialflüssigkeit geleitet, um schädliche Bestandteile zu entfernen. Danach wird er abgekühlt und mit Wasserdampf angereichert.
Keine Umweltbelastung

In der ersten Filterstufe werden aus dem Rauch Staubpartikel von Schwermetallen und Wasserstoff entfernt. Die zweite Stufe sorgt für die Abscheidung von Schwefeldioxid. Schließlich sammeln sich sämtliche Rückstände in den Filtern. Das Ergebnis: Im Ofenabgas, das die Katalysatorsysteme durchläuft, bleiben kaum noch schädliche Chemikalien zurück.
Die Werksleitung ist von der Wirksamkeit der modernen Filtertechnik so überzeugt, dass sie über den Toren der Anlage eine elektronische Anzeigetafel installiert hat, die die Emissionswerte in Echtzeit anzeigt.
Anlagendaten

- Jährlich werden in Spittelau rund 264.000 Tonnen Hausmüll verbrannt.
- Fast zwei Drittel der Fläche nehmen die Reinigungsanlagen ein.
- 250 LKW sind für den Mülltransport im Einsatz.
- Der Müllbunker fasst 7.000 Kubikmeter.
- Die Turbinen erzeugen 60 MW Wärmeenergie für den Eigenbedarf der Anlage sowie zusätzlich 8 MW Strom pro Stunde, der ins städtische Fernwärmenetz eingespeist wird.
- Die Dioxinemissionen liegen bei weniger als einem Gramm pro Jahr.
Zwischen 2012 und 2015 wurde das Heizwerk der Anlage modernisiert. Die Stadt finanzierte erneut den Kauf modernster Rauchreinigungsanlagen.
Dank des richtigen Ansatzes und der Disziplin sowohl der Behörden als auch der Belegschaft belastet Spittelau nicht nur nicht die Umwelt, sondern bringt der Stadt enormen Nutzen. Schadstoffemissionen sind auf ein Minimum reduziert, gleichzeitig wird ein erheblicher Teil der Wiener Haushalte mit Wärme versorgt.
Die Anlage ist ein leuchtendes Beispiel für den Einsatz innovativer Technologien in der Abfallwirtschaft – und ein wahrer Stolz nicht nur für Wien, sondern für ganz Österreich.
