Marietta Blau – Wissenschaftlerin, deren Leben die Arbeit forderte

Marietta Blau war eine talentierte österreichische Physikerin. Sie führte zahlreiche wissenschaftliche Forschungen zur Radioaktivität kosmischer Strahlen und zu Kernphotoemulsionen durch und leistete einen bedeutenden Beitrag zur Wissenschaft, für den sie später mit dem Wertvollsten bezahlte. Mehr über ihr Leben und Wirken erfahren Sie hier viennaname.eu.

Auf der Suche nach sich selbst

Marietta wurde am 29. April 1894 in Wien als Tochter des Rechtsanwalts Markus und der Florentine Blau geboren. Schon in ihrer Schulzeit interessierte sie sich für Physik und Mathematik. 1914 schloss sie das Mädchengymnasium mit Auszeichnung ab. Anschließend inskribierte sie an der Universität Wien, wo sie Physik und Mathematik studierte. 1919 erlangte sie den Doktortitel.

1920 fand Blau eine Anstellung am Institut für Radiologie des Wiener Zentralkrankenhauses. Da die Arbeitsbedingungen nicht einfach waren, zog sie 1921 nach Berlin, wo sie in einer Fabrik für Röntgenröhren zu arbeiten begann. Später lehrte sie Theorie und Praxis der Radiologie für angehende Ärzte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt.

1923 war Marietta gezwungen, nach Wien zurückzukehren, da ihre Mutter schwer erkrankt war. Hier wurde sie zur unbezahlten wissenschaftlichen Mitarbeiterin am Institut für Radiumforschung unter der Leitung von Stefan Meyer ernannt. An ihrer neuen Arbeitsstelle entwickelte Blau die Emulsionstechnik zur Aufzeichnung von Teilchenspuren, die es ihr ermöglichte, Neutronen nachzuweisen und durch kosmische Strahlen verursachte Kernzertrümmerungen zu beobachten. Es ist bemerkenswert, dass sie die erste Wissenschaftlerin war, die Kernemulsionen zum Nachweis von Neutronen einsetzte.

Für ihre Arbeiten gewann sie 1936 den Haitinger-Preis, der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verliehen wird. In den Jahren 1932-1933 ging Blau für ein Semester nach Göttingen zu Professor Robert Pohl, um Kristallphysik zu studieren, und anschließend nach Paris, wo sie am Radium-Institut Studentin wurde.

1937 gelang Blau der größte Erfolg ihrer Karriere: die Entdeckung der „Zertrümmerungssterne“ auf photographischen Platten, die in einer Höhe von 2300 Metern über dem Meeresspiegel kosmischer Strahlung ausgesetzt worden waren. Gemeinsam mit Hertha Wambacher beobachtete Marietta über einen Zeitraum von fünf Monaten die ersten Spuren einer durch kosmische Strahlen ausgelösten Kernreaktion. Die Explosion eines Atomkerns, der von kosmischer Strahlung getroffen wurde, führte zur Entstehung mehrerer Spuren, die von einem Punkt ausgingen, den die Wissenschaftlerinnen als „Stern“ bezeichneten. Diese Arbeit wurde 1937 mit dem Lieben-Preis gewürdigt.

Karriere in der Fremde

1938, kurz vor dem Anschluss, war Blau aufgrund ihrer jüdischen Herkunft gezwungen, aus Österreich zu emigrieren, was eine gravierende Unterbrechung ihrer wissenschaftlichen Karriere bedeutete. Zuerst ging sie nach Oslo, wo sie ein Jahr lang als Chemiedozentin an der örtlichen Universität arbeitete.

Dank der Vermittlung von Albert Einstein erhielt sie 1939 eine Professur an der Technischen Universität in Mexiko. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1944 ließ sich Marietta in New York nieder. Zunächst arbeitete sie im Labor der „Canadian Radium and Uranium Corporation“ und wechselte später an die Columbia University.

1960 kehrte Blau nach Österreich zurück. Trotz ihres schlechten Gesundheitszustands setzte sie ihre Experimente am Institut für Radiumforschung fort. Die Physikerin leitete auch eine Arbeitsgruppe, die photographische Aufnahmen von Teilchenspuren aus Experimenten analysierte. 1962 verlieh die Österreichische Akademie der Wissenschaften Blau den Erwin-Schrödinger-Preis.

1970 verstarb Marietta Blau an Krebs. Ihre Krankheit wird auf den langjährigen Umgang mit radioaktiven Substanzen zurückgeführt.

Für ihren großen Beitrag zur Wissenschaft wurde 2004 am Gebäude ihrer ehemaligen Schule in der Rahlgasse 2 eine Gedenktafel enthüllt. Zudem wurde in Wien im 22. Bezirk eine Straße nach der Wissenschaftlerin benannt.

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