Wenn man einen Strauß Rosen oder Topfblumen kaufen möchte, muss man heutzutage in der Regel nicht weit gehen. In Wien gibt es viele Geschäfte, die ein großes Sortiment anbieten. Aber wie und wo kauften die Menschen im 19. Jahrhundert Blumen? Lesen Sie mehr darüber hier viennaname.eu.
Alles begann im 18. Jahrhundert
Über viele Jahrhunderte galt Holland als das Land der Blumen. Es ist daher nicht überraschend, dass Blumenzwiebeln bis ins 18. Jahrhundert hauptsächlich direkt aus Holland nach Österreich importiert wurden. Verschiedene Samen wurden ebenfalls durch ganz Europa verschickt, doch der Transport war sehr aufwendig.
Wohlhabende Menschen, die Grundstücke außerhalb Wiens besaßen, wo es keinen Platz für private Gärten gab, legten riesige Gärten mit Orangerien an, meist am Rande der Stadt.
Einige Gartenbesitzer gründeten private Gärtnereien, in denen sie Pflanzen anbauten und in andere Länder exportierten.
Diejenigen, die diese Möglichkeit nicht hatten, besuchten Blumenstände auf öffentlichen Märkten. Sehr oft besuchten sie auch die Anwesen von Handelsgärtnern, die ihr Geschäft in den Vorstädten, insbesondere in den heutigen Bezirken Landstraße und Wieden, betrieben. Damals war der Kauf von Pflanzen für viele Menschen umständlich.
Diese Situation änderte sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit jedem Jahr wuchs die Professionalität der Gärtner, und es gab immer mehr Blumengeschäfte in Wien. Die Gärtner begannen nun, auch die Lieferung von Blumenarrangements anzubieten, damit die Kunden ihre Zeit sparten.
Erwähnenswert ist, dass der Berliner Gärtner Carl Paul Bouché im Jahr 1808 ein Buch schrieb. Darin bemerkte er, dass das Bedürfnis, Fenster mit blühenden Pflanzen zu schmücken, von Jahr zu Jahr zunahm und die Liebe zu Blumen bei den Menschen immer stärker wurde.
Darüber hinaus beschrieb Bouché in seinem Buch Pflanzen, die in Zimmern kultiviert werden konnten: Hyazinthen, Narzissen, Schneeglöckchen und Lilien.
Anfang des 19. Jahrhunderts begann man, Blumentöpfe nicht nur auf Fensterbänke, sondern auch auf Ess- und Beistelltische zu stellen.
Handelsgärtner in Wien

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fuhren alle, die in der Gegend von Wien Pflanzen erwerben wollten, zur Handelsgärtnerei Angelotti oder Held.
Die Familie Angelotti kam aus Italien nach Wien. Zuerst arbeiteten sie als Herrschaftsgärtner. Bald qualifizierten sich Johann Angelotti und sein Sohn zu bürgerlichen Handelsgärtnern. Im Jahr 1812 veröffentlichte die Familie Angelotti erstmals eine Verkaufsanzeige für Blumen in einer lokalen Zeitung.
Angelotti verkaufte sowohl heimische als auch aus anderen Ländern importierte Blumen. Das Sortiment umfasste etwa 5 Rosensorten. Später kamen Pelargonien hinzu.
Im Jahr 1834 war Angelotti der Erste in Wien, der den Käufern Balkonblumen für den Sommer zu erschwinglichen Preisen anbot.
Das erste Blumengeschäft der Stadt
Im Februar 1822 kündigte der bürgerliche Gärtner Johann Rosenthal in einer Anzeige in der „Wiener Zeitung“ eine Neuerung an. Er schrieb, dass der Kaiser ihm die Erlaubnis erteilt habe, ein Blumengeschäft bei der Hofpfarrkirche zu errichten.
Bald darauf wurde das Geschäft eröffnet. Besucher konnten dort Vorbestellungen für Blumen zur Dekoration von Tischen und Räumen aufgeben. Außerdem waren Glasvasen, Gartentöpfe und Blumenzwiebeln im Verkauf.
Rosenthals Blumengeschäft war jedoch nicht das erste in der Stadt. Es gibt Belege dafür, dass bereits Ende 1796 ein Geschäft bei der Schottenkirche existierte. Der Gärtner Franz Xaver aus Matzleinsdorf gab in der „Wiener Zeitung“ bekannt, dass in seinem Blumenhaus bei der Schottenkirche verschiedene Pflanzenarten verkauft würden. Darüber hinaus verkaufte Franz dort Blumen- und Gemüsesamen aus eigenem Anbau.
Es gab in Wien noch ein weiteres Blumen- und Samengeschäft, das 1791 am Neuen Markt neben der „Kapuziner Pforte“ eröffnet wurde. Es wurde von Johann Polesny geführt. Das Sortiment bestand hauptsächlich aus Blumenzwiebeln.
Die Entwicklung des Blumengeschäfts

Ab 1820 gab es in der Stadt mehrere Blumengeschäfte. In ihnen wurden exotische Pflanzen und frische Schnittblumen verkauft.
Großer Beliebtheit erfreute sich das Geschäft des Gärtners Jakob Baumann in der Weihburggasse. Dort wurden holländische Blumenzwiebeln verkauft. Man konnte auch Pflanzen für die Tischdekoration, Blumensträuße und Gewächse für den eigenen Garten erwerben.
In dieser Zeit begannen immer mehr Menschen, ihre eigenen Gärtnereien zu gründen. Bemerkenswert ist, dass in Wien bereits 1791 mit dem Verkauf von Obstbäumen und Gartenpflanzen begonnen wurde. Mit jedem Jahr entwickelte sich das Blumengeschäft aktiv weiter, und dank dieser Entwicklung haben die Menschen heute die Möglichkeit, wunderschöne Blumen zu kaufen.
