Der Bau der Ersten Wiener Hochquellenwasserleitung dauerte drei Jahre. Ihre Eröffnung fand im Oktober 1873 in Schwarzenberg statt. Das Tal, durch das die Wasserleitung verläuft, erstreckt sich über 129 km. Seit dieser Zeit hat sich das Leben der Wiener verbessert, schreibt viennaname.eu.
Eine erzwungene Entscheidung
Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts führte ein akuter Mangel an Trinkwasser in Wien zum Ausbruch von Typhus- und Cholera-Epidemien. Es gab bereits früher Vorschläge, Wasser aus unterirdischen Bächen nahe den Ufern der Donau und ihrer Nebenarme zu gewinnen, doch diese wurden von der Stadtverwaltung abgelehnt.
Im Juli 1846 beschloss der Wiener Gemeinderat den Bau der ersten Hochquellenwasserleitung. Realisiert wurde dieses Projekt vom Geologen, Politiker und Professor Eduard Suess. Dank seiner Hartnäckigkeit und Bemühungen ging er als Schöpfer der Hochquellenwasserleitung in die Geschichte Wiens ein.
Rohrverlegung, die erste Wasserversorgungsleitung

Im Zeitraum von 1869 bis 1873 wurde die Kaiserbrunnquelle gefasst und in Wien ein Rohrleitungs- und Verteilungsnetz von 90 km Länge verlegt. Die Route der Wasserleitung führt von Kaiserbrunn durch einen drei Kilometer langen Stollen nach Hirschwang und von dort in einem gemauerten Kanal über Payerbach, Neunkirchen, Vöslau, Baden, Mödling und Liesing Mauer bis zum Wasserbehälter auf der Rosenhügel in Wien.
Heute beträgt die Gesamtlänge der ersten Wiener Wasserleitung 150 km, was auf die Einbeziehung zusätzlicher Quellen zurückzuführen ist.
Anfänglich betrug die Lieferleistung 138.000 m³ pro Tag. Geologischen Untersuchungen zufolge wurde erwartet, dass im Gebiet Rax-Schneeberg gutes Quellwasser zu finden sei. Durch die Einbeziehung zusätzlicher Quellen und den Bau des Wasserreservoirs Neusiedler konnte die Wassermenge, die nach Wien geliefert werden konnte, auf 220.000 m³ pro Tag erhöht werden.
Um die Versorgung der Einwohner mit sauberem Wasser zu gewährleisten, musste das Einzugsgebiet vor Verschmutzung geschützt werden. Daher wurde 1965 das gesamte Massiv der Rax-Schneeberg-Schneealpe unter Verfassungsschutz gestellt.
Der Bau der zweiten Wasserleitung

Um 1890 begann die Bevölkerung Wiens zu wachsen. Dies führte zur Notwendigkeit, neue Wasserreserven zu erschließen. Im Jahr 1900 beschloss der Gemeinderat auf Initiative von Bürgermeister Karl Lueger den Bau der zweiten Hochquellenwasserleitung. Der Wiener Ingenieur Karl Kinzer fand zahlreiche Quellen im Hochschwabgebiet. Zur Überquerung von Flüssen und Tälern mussten 100 Aquädukte und 19 Düker von bis zu 2,5 Kilometern Länge errichtet werden. Der Wasserdruck in den verwendeten Gusseisenrohren erreichte bis zu 9 bar.
Aus diesem Grund mussten an den Ecken und Biegungen massive Betonpfeiler errichtet werden, die dem Verschiebungsdruck standhalten können. Entleerungsschleusen im Bereich großer Flüsse ermöglichen es, die Rohrleitung für Wartungs- und Reinigungsarbeiten zu entleeren.
Es ist bemerkenswert, dass am Bau der Wasserleitung 10 000 Menschen beteiligt waren.
Am 2. Dezember 1910 fand ein großes Ereignis statt – die zweite Hochquellenwasserleitung wurde in Betrieb genommen. Zur feierlichen Zeremonie im Wiener Rathaus erschien Kaiser Franz Joseph. Er nahm symbolisch den ersten Schluck des frischen, köstlichen Quellwassers aus seinem Kristallkelch.
Die Wasserleitung ist bis heute in Betrieb und liefert täglich rund 217 Millionen Liter Wasser aus dem steirischen Salzatal in der Hochschwab-Region nach Wien.
Das Wasser in Wien hat eine ausgezeichnete Qualität, da es direkt aus den Alpen in die Häuser der Menschen geleitet wird. Sie trinken es direkt aus dem Wasserhahn, ohne es zu filtern. In der ganzen Stadt gibt es 1000 Trinkbrunnen.
Die Wiener Kanalisation

Die Geschichte der Wiener Kanalisation reicht bis ins erste Jahrhundert nach Christus zurück. Damals bauten römische Soldaten ein Entwässerungssystem im Militärlager Vindobona. Im 18. Jahrhundert übernahm Wien eine Vorreiterrolle. Im Jahr 1739 war es die erste Stadt in Europa, die bereits über eine Kanalisation verfügte. Seit dieser Zeit wurde das Kanalsystem kontinuierlich erweitert.
1980 wurde in Simmering die Hauptkläranlage errichtet. Seitdem werden die städtischen Abwässer gereinigt, bevor sie in die Donau gelangen.
Im Jahr 2009 umfasste die Wiener Kanalisation 2300 km öffentliche Kanalnetze und 6300 km Hauskanäle. Erstere leiten die Abwässer von Haushalten und Industrie zur Hauptkläranlage in Simmering. Nach Angaben der zuständigen Magistratsabteilung fließen täglich etwa eine halbe Milliarde Liter Abwasser durch das Netz.
