Die Müllverbrennungsanlage „Flötzersteig“ befindet sich im 16. Wiener Gemeindebezirk. Sie gilt als die älteste der Stadt und war das erste Unternehmen in Österreich, das mit der thermischen Abfallverwertung begann. Über ihre Geschichte und die Besonderheiten ihres Betriebs berichten wir hier auf viennaname.eu.
Wie alles begann

Im Jahr 1959 kamen in Österreich vermehrt Produkte in Einwegverpackungen auf den Markt. Die Menschen begannen, diese aktiv zu nutzen, wodurch die Stadt mit einer großen Menge an Abfall konfrontiert wurde. Der Wiener Gemeinderat beschloss, diesen zu verbrennen. Damals wurde der Grundstein für die „Flötzersteig“ gelegt. 1962 fand die feierliche Eröffnung der Anlage durch Bürgermeister Franz Jonas statt. In Betrieb genommen wurde sie jedoch erst 1964.
In den ersten vier Jahren ihres Bestehens verwertete die Anlage 60 % des Abfalls und erzeugte eine große Menge an Energie. Die daraus gewonnene Fernwärme wurde von verschiedenen städtischen Gebäuden genutzt: dem Wilhelminenspital, einer Wäscherei, dem Geriatriezentrum Baumgartner Höhe und dem Otto-Wagner-Spital.
Mit dem Bau dieser Anlage betonte die Stadtverwaltung die Bedeutung einer rationalen Abfallentsorgung. Die einzigartige Technologie ermöglichte es den Stadtbewohnern, ihren Müll ordnungsgemäß zu behandeln und so Wien sauberer zu machen. Zudem gewährleistete sie Energieeinsparungen und eine umweltfreundliche Wiederverwendung von Reststoffen.
Mehr als nur eine Anlage

Es ist erwähnenswert, dass die Ingenieure der „Flötzersteig“ regelmäßig neue Technologien implementieren. 1990 wurde das gesamte Kesselsystem zur Effizienzsteigerung erneuert. In den folgenden Jahren wurde eine moderne, mehrstufige Rauchgasreinigungsanlage installiert. Dank ständiger Modernisierungen und dem Einsatz hochwertiger Ausrüstung gelingt es, die Schadstoffemissionen bei der Abfallverbrennung zu reduzieren.
Darüber hinaus expandiert und passt sich die „Flötzersteig“ in verschiedenen Bereichen an und setzt sich für den Umweltschutz ein. Dies zeigt sich in der Schaffung von Biodiversität auf ihrem Gelände durch das Pflanzen verschiedener Obstbäume und Grünflächen. Im Jahr 2022 fanden in fünf Bienenstöcken über 200.000 Bienen ein Zuhause, die von der „Bezirksimkerei Wien“ betreut werden.
Seit 1985 wird die „Flötzersteig“ von der „Müllbeseitigung-Betriebsges.m.b.H.“ betrieben, die ein dreistufiges Reinigungsverfahren für Rauchgase und Abwässer zur Abscheidung von Schwermetallen (Cadmium, Quecksilber, Chlorwasserstoff, Feinstaub) einführte. 1989 beantragte die Organisation den Umbau der Anlage, um einen Katalysator zur Abscheidung von Stickoxiden und einen Aktivkohlefilter zur Entfernung von Dioxinen zu installieren. In den Jahren 1992-1993 wurden die Filtersysteme der „Flötzersteig“ erneuert.
Energie aus Abfall

Auf der „Flötzersteig“ wird die Rostfeuerung eingesetzt. Der Ofen ist mit einem Vorschubrost ausgestattet, der sich kontinuierlich vor- und zurückbewegt, wodurch der Abfall umgewälzt und weiterbefördert wird. Darüber hinaus sind hier spezielle Drehrohröfen installiert, in denen Sonderabfälle und Klärschlamm effizient verwertet werden.
Der Hausmüll wird innerhalb einer Stunde bei einer Temperatur von mindestens 850 Grad Celsius verbrannt. Moderne Elektronik regelt die Verbrennungsgeschwindigkeit, bei der heiße Rauchgase entstehen, die in den Rohren Wasser zu Dampf erhitzen. Mithilfe eines Generators wird daraus Strom erzeugt. Die Fernwärme wird über einen Wärmetauscher ausgekoppelt.
Die Rückstände aus der thermischen Behandlung bestehen hauptsächlich aus Schlacke, Steinen und Glas, die selbst bei hohen Temperaturen nicht verbrennen. Die Schlacke wird in Wien als Baumaterial für Deponien verwendet, während die Asche verpackt und zur Endlagerung gebracht wird.
Stand 2023 verwertet die Anlage „Flötzersteig“ jährlich rund 200.000 Tonnen Abfall. Im Verbrennungsprozess wird deren Volumen auf ein Minimum reduziert und Schadstoffe werden unschädlich gemacht. Die dabei freigesetzte Energie wird genutzt, um Zehntausende Haushalte mit Wärme zu versorgen. Dabei werden rund 470.000 Megawattstunden Fernwärme erzeugt sowie 58.000 Tonnen Eisenschrott, Asche und Schlacke gewonnen.
