Raffinerie „Schwechat“ – Österreichs Erdölverarbeitungsriese

Die Raffinerie Schwechat, in der Nähe von Wien gelegen, ist die einzige in Österreich. Sie produziert Benzin, Dieselkraftstoff und Heizöl. Zudem versorgt sie den angrenzenden Flughafen über eine Pipeline mit Kerosin. Über die Besonderheiten und die interessante Geschichte der Raffinerie sprechen wir hier auf viennaname.eu.

Die Geschichte der Raffinerie

1936 erwarb die „Nova Öl- und Brennstoff AG“ Grundstücke im Osten von Schwechat und begann umgehend mit dem Bau einer Raffinerie. Die feierliche Eröffnung fand 1938 statt. Die neue Raffinerie war mit für die damalige Zeit modernen Anlagen ausgestattet, die das rumänische Rohöl gut verarbeiten konnten. Dieses wurde mit Tankschiffen über die Donau geliefert und über eine Pipeline weitergepumpt. Der wahre Stolz der Raffinerie war die Destillationsanlage, die Produkte auch im Vakuum herstellen konnte. Benzin und Paraffin wurden mit Schwefelsäure und Ätznatron gereinigt.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Raffinerie dem Konzern „IG Farben AG“ und am 1. August 1939 der „Deutschen Erdöl AG“ übergeben. In dieser Zeit wurden die bestehenden Kapazitäten erheblich erweitert, mehrere Anlagen gebaut: eine Kokerei, eine zweistufige Destillation, und es wurden 12 große Lagertanks installiert.

Im Juni 1944 begannen intensive Luftangriffe der Alliierten auf die Ölindustrie in und um Wien, die bis Kriegsende andauerten. Auf die Raffinerie Schwechat wurden 4.000 Bomben verschiedener Größen abgeworfen, von denen 400 das Zentrum des Raffineriegeländes trafen. Trotz der schweren Zerstörungen wurde die Produktion dank des Einsatzes spezieller Reparaturteams, zumindest in kleinem Umfang, wieder aufgenommen. Am 5. Juni 1945 wurde die Raffinerie vor dem Vormarsch der alliierten Truppen evakuiert.

Bereits im Herbst 1945 wurde Schwechat von der sowjetischen Besatzungsmacht, der „Sowjetischen Mineralölverwaltung“ (SMV), wieder in Betrieb genommen. Zur Verarbeitung wurde österreichisches Rohöl verwendet. Ein echtes Problem war dessen Lieferung und Zwischenlagerung. Dies lag daran, dass die meisten Lagertanks bei den Bombenangriffen zerstört worden waren.

1947 begann die SMV, die Raffineriekapazitäten aktiv umzurüsten, zu erweitern und zu modernisieren. 1955, nach dem Abschluss des Staatsvertrages und dem Abzug der sowjetischen Truppen, wurde die Raffinerie Schwechat der „Österreichischen Mineralölverwaltung“ („ÖMV“) übergeben.

Die Raffinerie Schwechat heute

Ab 1955 stieg in Wien die Nachfrage nach Autos und dementsprechend auch nach qualitativ hochwertigem Treibstoff. Die Anlagen der Raffinerie waren veraltet, weshalb die neuen Eigentümer den Bau einer komplett neuen Raffinerie beschlossen. 1958 begann die Umsetzung des Plans. Bereits im Juni 1961 wurde die neue Anlage in Betrieb genommen.

Die heutige Raffinerie Schwechat gilt als eine der größten und modernsten Raffinerien in Mitteleuropa. Ihre Verarbeitungskapazität beträgt 9,6 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Das Volumen der Mineralölprodukte, die durch Raffination und Destillation von Rohöl im Werk gewonnen werden, beträgt 8 Millionen Tonnen pro Jahr. 

Solch gute Ergebnisse konnten dank der hohen Produktqualität, der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Produktion und der Erweiterung des Sortiments unter Einhaltung von Umwelt- und Sicherheitsstandards erreicht werden.

Als Hauptstandort der OMV hat die Raffinerie Schwechat für Österreich eine entscheidende Bedeutung. Sie sichert die Energieversorgung des Landes und schafft Arbeitsplätze. Ihre Produktionsflächen, einschließlich des Tanklagers in der Lobau, umfassen eine Gesamtfläche von 2,4 Quadratkilometern und sind damit größer als das Fürstentum Monaco. Das Pipelinenetz erstreckt sich über 5.800 km – das entspricht in etwa der Entfernung von Wien nach Karatschi (Pakistan).

Zwei Drittel der Kapazitäten werden für die Herstellung von Benzin und Dieselkraftstoff verwendet. Darüber hinaus produziert die Raffinerie Schwechat weitere petrochemische Produkte wie Heizöl und Bitumen. 

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