Friedrich Ehrendorfer – ein Forscher, Botaniker, Pionier der Karyotaxonomie, Lehrbuchautor und Initiator der Kartierung der Flora Mitteleuropas. Dieser Mann hat einen großen Beitrag zur Entwicklung der Biologie geleistet, berichtet viennaname.eu.
Experte für den Polyploidie-Komplex

Friedrich Ehrendorfer wurde am 26. Juli 1927 in Wien geboren. Schon in jungen Jahren zeigte er Interesse an Flora und Fauna. Nach dem Schulabschluss inskribierte er an der Universität Wien für das Fach Botanik. Im Jahr 1949 verfasste er unter der Betreuung seiner Lehrer Lothar Geitler und Karl Rechinger seine Dissertation über die polyploide Gruppe des Labkrauts. Sieben Jahre später habilitierte sich Friedrich an der Universität Wien. Von 1960 bis 1964 arbeitete er als Kurator der Botanischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien und von 1965 bis 1970 als Professor an der Universität Graz.
Seine wissenschaftliche Karriere erhielt wesentliche Impulse durch zwei Forschungsaufenthalte in den USA. Der erste fand 1952 statt, der zweite 1959. Sein ganzes Leben lang widmete sich Ehrendorfer der Erforschung der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) und der Phylogenese.

Pionier der Karyotaxonomie und Hochschullehrer

Friedrich Ehrendorfer gehörte zu den Ersten, die in den 1960er Jahren die Karyotaxonomie in Europa einführten, also die Nutzung von Chromosomenmerkmalen, insbesondere der Polyploidie, zur Klärung von Verwandtschaftsbeziehungen. Besonders wichtig und charakteristisch für Ehrendorfer war sein breiter, umfassender Ansatz, der die Einbeziehung von Reproduktionsbiologie, Ökologie und Chorologie in taxonomische Untersuchungen umfasste. Methodische Vielfalt und Multidisziplinarität standen für ihn an erster Stelle.
Friedrich war ein exzellenter Hochschullehrer, der Studierende und Kollegen gleichermaßen inspirierte. Bei Präsentationen verstand er es, Kernaussagen und Probleme rasch herauszuarbeiten und damit lebhafte Diskussionen anzustoßen.
Besonders beliebt waren seine Exkursionen in den Botanischen Garten, den Wienerwald, an den Neusiedler See und in die Alpen. Er kannte jedes Detail der Pflanzentaxa, ihre Lebensweise, ihre ökogeografische Stellung und ihre vermutete Phylogenie. Dadurch konnte er stets fesselnd über ihre komplexen Zusammenhänge berichten. Manche Studierende fürchteten sich jedoch regelrecht vor Ehrendorfers Vorlesungen, da er von seinen Zuhörern stets den gleichen Enthusiasmus erwartete, den er selbst an den Tag legte.
Als akademischer Lehrer verfasste der Biologe die Kapitel „Evolution“ und „Samenpflanzen“ für den „Strasburger“, das Lehrbuch der Botanik, in der 30. und 34. Auflage. Zeit seines Lebens unternahm der Professor große Anstrengungen, die Botanik auch in der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. 1973 wandelte er die traditionsreiche „Österreichische Botanische Zeitschrift“ in die renommierte Zeitschrift „Plant Systematics and Evolution“ um, der er jahrzehntelang vorstand.
Ehrendorfer initiierte auch die Kartierung der Flora Mitteleuropas nach britischem Vorbild. Auch die „Liste der Gefäßpflanzen Mitteleuropas“, die von heutigen Botanikern und Ökologen intensiv genutzt wird, geht auf seine Initiative zurück.
Der Systematiker und Polyploidie-Experte führte taxonomische Analysen von Familien und Gattungen für eine Reihe von Florenwerken durch, darunter die „Flora Europaea“, die „Flora of Turkey“ und die „Flora Iranica“. Parallel dazu war er Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften auf der ganzen Welt. Für seinen bedeutenden Beitrag zur Botanik wurde der Professor mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt.
Ab 1975 war Ehrendorfer Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, wo er auch nach seiner Pensionierung weiterhin tätig war. Er gründete die „Kommission für interdisziplinäre ökologische Studien“ und redigierte zwei Bände über „Rostpilze und Moose“ im „Catalogus Florae Austriae“. Trotz seiner Bekanntheit war Friedrich ein außerordentlich bescheidener Mensch, der ausschließlich für die Wissenschaft lebte.
Am 28. November 2023 verstarb der Professor im Alter von 97 Jahren und hinterließ ein umfangreiches wissenschaftliches Werk, das von Zeitgenossen aktiv genutzt wird.
