Schneckenfarm Andreas Gugumuck: Geschichte der Gründung, Besonderheiten

Einst galt Wien als die „Hauptstadt der Schnecken“. In der Stadt gab es einen großen Markt, auf dem ausschließlich Schnecken verkauft wurden. Andreas Gugumuck beschloss, diese Tradition fortzusetzen, gründete eine Farm und später sein eigenes Unternehmen, wie viennaname.eu berichtet.

Ein wenig zur Biografie

Anfangs deutete nichts darauf hin, dass Andreas einmal Landwirt werden würde. Nach der Schule inskribierte Gugumuck an der Technischen Universität Wien und arbeitete nach seinem Abschluss fast 10 Jahre lang als Projekt-Testmanager in der IT-Branche.

Im Jahr 1999 war er professioneller Boxer und träumte davon, verschiedene Titel zu gewinnen, doch das Schicksal hatte andere Pläne. Letztendlich wurde Andreas nicht zum Champion, sondern zum Wiener „Schneckenkönig“.

2008 gründete er eine Schneckenfarm, auf der er seine gesamte Freizeit verbrachte. Bald darauf schuf er seine eigene Marke „Wiener Schnecke“. Es folgten die rasche Anerkennung von Andreas‘ Schnecken in den besten Gastronomiebetrieben und ein großes Medienecho. Im Jahr 2010 gab er seine Arbeit in der IT-Branche endgültig auf und begann, den Familienbetrieb zu leiten.

Die Geschäfte liefen gut, und bereits 2014 konnte Gugumuck die „Wiener Schneckenmanufaktur“ und einen Hofladen gründen.

Sein Interesse an der Schneckenzucht wurde geweckt, als er ein Kochbuch von Gerd Wolfgang Sievers las, das den Schnecken gewidmet war. Aus diesem Buch erfuhr Gugumuck von der alten Tradition des Schneckenverzehrs in Österreich und vom Wiener Schneckenmarkt.

Besonderheiten der Schneckenzucht

Neben der Geschichte faszinierten Andreas die positiven Eigenschaften des Schneckenfleisches, das reich an Proteinen, wertvollen Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen ist. Zudem ist es ein ökologisch nachhaltiges Produkt.

In seinem Interview mit goodimpact.eu erklärte Andreas, dass die Schneckenzucht sehr effizient ist. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, benötigt man 14 kg Futter, während für 1 kg Schneckenfleisch nur 1,7 kg Futter notwendig sind.

Der Zuchtprozess ist ebenfalls unkompliziert und erfordert wenig Wasser. Die Schnecken können mit einem speziellen Futter aus Kalk und Mehl gefüttert werden; sie benötigen kein Soja oder ökologisch bedenkliche Abfälle. Darüber hinaus nimmt ihre Zucht nicht viel Platz in Anspruch.

Als Gugumuck noch im Büro arbeitete, war er von der Routine gelangweilt. Nachdem er das Kochbuch gelesen hatte, beschloss er, die Tradition der Schneckenzucht auf dem alten Familienhof im ländlichen Stadtteil Rothneusiedl wiederzubeleben.

Auf einem kleinen Feld schuf Andreas einen natürlichen, schattigen Lebensraum für die Weichtiere. Rund 300.000 Schnecken kriechen unter schrägen Balken und Planen auf dem Gras in speziellen, mit Holz eingefassten Beeten. Ein Tröpfchenbewässerungssystem sorgt für die nötige Feuchtigkeit auf dem Gelände. Im Winter, sobald der erste Schnee fällt, ziehen sich die Schnecken tief in ihre Häuser zurück.

Nach der Gründung entwickelte sich das Familienunternehmen schnell und wuchs bald zu einem florierenden Geschäft heran, das gute Einnahmen brachte.

Die auf Andreas‘ Farm gezüchteten Schnecken werden von Wiener Restaurants gekauft. Darüber hinaus veranstaltet Gugumuck zweimal im Monat Abendessen auf seinem Hof, bei denen er den Gästen die vielfältigen Zubereitungsarten von Schnecken demonstriert.

„Das Fleisch der Zukunft“

Gugumuck ist überzeugt, dass Schnecken das „Produkt der Zukunft“ sind. Er glaubt, dass sie in Zukunft von der gesamten Weltbevölkerung gerne verzehrt werden. Zu diesem Zweck hält er Seminare zur Schneckenzucht, organisiert verschiedene Kochkurse und veröffentlicht Kochrezepte mit Schneckenfleisch.

Auch der Agrarwissenschaftler Werner Zöllitsch von der Universität für Bodenkultur Wien ist an der Nutzung von Schnecken in landwirtschaftlichen Systemen interessiert. Zöllitsch meint, dass man angesichts der effizienten Futterverwertung durch Schnecken davon ausgehen kann, dass sie eine gute Alternative zur traditionellen Fleischproduktion darstellen könnten.

Der Markt für Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch wächst mit der Zunahme der Weltbevölkerung weiter. Es ist offensichtlich, dass eine solche Entwicklung negative Auswirkungen auf die Umwelt hat.

Im Jahr 2019 führte die Unternehmensberatung Kearney eine Studie durch, die ergab, dass alternative Proteinquellen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Moderne Menschen bevorzugen zunehmend den Verzehr von Schneckenfleisch und Insekten.

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