Wein ist ein Getränk, das die Menschheit schon vor langer Zeit entdeckt hat. Seine Herstellung und sein Genuss haben sogar Eingang in Kunst und Poesie gefunden. In maßvollem Konsum galt Wein als wirksames Heilmittel.
Der Weinbau in Wien hat eine lange Tradition. Während er in anderen Großstädten oft vor allem als Attraktion für den Tourismus dient, sieht es in Wien anders aus. Hier nehmen die Weingärten eine Fläche von 700 Hektar ein und tragen zur Erhaltung des Grüngürtels bei, berichtet viennaname.eu.
Interessante Fakten

Verschiedene Funde von Traubenkernen in Nussdorf bei Wien lassen darauf schließen, dass Kelten und Illyrer bereits etwa 2000 Jahre vor Christus im Gebiet der Donau und der Ostalpen ansässig waren. Dennoch gibt es die Behauptung, dass das erste Weingut auf dem Gebiet Österreichs erst zur Zeit der Römer entstand. Das ist jedoch ein Irrtum. Schriftliche Quellen belegen, dass die Kelten schon lange vor den Römern Weinbau mit einheimischen Reben betrieben.
Bereits um das Jahr 1050 gab es in Oberösterreich große Weinanbauflächen. Im Jahr 1480 gewährte Kaiser Friedrich III. jedem, der innerhalb einer Meile um Linz einen neuen Weingarten anlegte, eine Steuerbefreiung. Dieses Privileg zeigte deutliche Wirkung.
Die größte Ausdehnung der Weingärten in Österreich wurde zwischen 1600 und 1650 erreicht. Fast jedes Kloster besaß zu dieser Zeit einen Weinberg. Wein wurde damit nicht nur Grundlage der Liturgie, sondern auch als „Getränk Gottes“ angesehen. Auch die Burg von Linz war von Weinbergen umgeben. In St. Magdalena zeugen die beiden Höfe „Obere“ und „Untere Weingartler“ von der Entwicklung des Weinbaus.
Zwischen 1590 und 1610 kam es zu einem Temperaturrückgang, wodurch sich die Grenzen des Weinbaus nach Osten verschoben. Gleichzeitig erlebte der Weinbau einen Rückgang, da in der Bierproduktion und in der Verarbeitung von Obst (Mostherstellung) große Fortschritte erzielt wurden.
Mit sinkenden Transportkosten kamen zunehmend ausländische Produkte auf den Markt. 1872 gab es in Oberösterreich bereits keine Weinbaugebiete mehr.
Weingärten in Wien, passendes Klima und Boden

Das sonnenverwöhnte Gebiet südlich von Wien ist seit über 2000 Jahren mit Weinreben bepflanzt. Die römischen Legionäre, die sich in Carnuntum und Vindobona niederließen, verbesserten den vorhandenen Rebbestand mit Setzlingen aus Italien. Neben den Pflanzen brachten sie auch ihr Wissen über den Weinbau in die Provinz Pannonien.
Etwa zur gleichen Zeit entstanden im heutigen Kurort Baden die ersten römischen Thermen. Im Jahr 1441 gründeten die Zisterziensermönche aus dem Stift Heiligenkreuz im Thermalgebiet das Weingut „Freigut Thallern“, eines der ältesten in Wien.
Im 16. und 17. Jahrhundert erlitt der Weinbau während der Türkeneinfälle einen Rückschlag, da ein großer Teil der Weingärten zerstört wurde.
Als im Jahr 1170 die Residenz der Babenberger nach Wien verlegt wurde, erlebte der Weinbau in der neuen Hauptstadt einen Aufschwung. Die Wiener durften nun Weinberge erwerben, die damals große Teile der innerstädtischen Bezirke einnahmen.
Bis ins späte Mittelalter war das gesamte Gebiet des 1. Bezirks mit Reben bepflanzt. Im Jahr 1327 wurde in der Dorotheergasse der „Seitzerkeller“ gegründet, der zum Stift Mauerbach gehörte. Kurz darauf entstanden weitere 60 Tavernen. Der Wiener Wein war damals wie heute für seinen einzigartigen Geschmack und Duft beliebt.
Wien liegt in der Donauregion, die durch geringe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht geprägt ist. In Verbindung mit einer langen Vegetationsperiode schaffen diese Bedingungen die perfekte Reifung der Trauben und verleihen den Weinen ihr besonderes Aroma.
Die Wiener Weingärten am Bisamberg, in Döbling, Dornbach und Ottakring befinden sich auf festem Untergrund aus schuppigen, farbigen Mergeln sowie auf Ablagerungen des neogenen Wiener Beckens. Die Weinberge in Stammersdorf, am Hungerberg und in Oberlaa liegen auf quarzreichem Schotter mit einer lehmhaltigen Deckschicht.
Das heutige Wien ist die größte Weinbaustadt der Welt. Im Jahr 2023 nehmen die Weingärten in Wien 700 Hektar ein, und es gibt rund 276 Weinproduzenten.
