Quai-Park – verlorenes Naturerbe Wiens

Nur wenige Wiener wissen, dass der erste Park der Stadt am Ufer des Donaukanals angelegt wurde und den Namen „Quai-Park“ trug. Von Anfang an wurde er mit verschiedenen Baumarten bepflanzt und hätte ein idealer Erholungsort für die Bürger werden können, doch dazu kam es leider nicht. Die unsachgemäße Pflege der Vegetation zerstörte den Park, berichtet viennaname.eu.

Die Geschichte des „Quai-Parks“

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Wien eine Phase des städtebaulichen Umbruchs: Alte Befestigungsanlagen wurden abgerissen und neue Gebäude errichtet. In einem kaiserlichen Schreiben aus dem Jahr 1857 wurde festgelegt, dass die Ringstraße von Gebäuden mit Parkanlagen umgeben sein sollte.

Die Stadterweiterung begann 1858 mit dem Abriss der Befestigungsanlagen entlang des Donaukanals. Es ist daher kaum verwunderlich, dass genau in diesem Bereich der erste Stadtpark Wiens angelegt wurde – der „Quai-Park“ am Kai.

Die Anlage des Parks am Franz-Josefs-Kai begann im Jahr 1860. Der Plan für diesen Park wurde vom Stadtgärtner Rudolf Siebeck entworfen. Lokale Zeitungen berichteten, dass über 100 Arbeiter aktiv mit dem Pflanzen von Bäumen und Sträuchern beschäftigt waren und vor ihnen noch die gewaltige Aufgabe lag, Erde aufzuschütten, um die Oberfläche zu ebnen.

Im Jahr 1861 waren im Park bereits 3.000 seltene Baumarten gepflanzt. Um den Park vom Donaukanal abzugrenzen, wurden spezielle Holzbarrieren errichtet. Später wurden diese durch niedrige Eisengitter ersetzt. Für den Komfort der Besucher wurden Bänke mit Rückenlehnen aufgestellt. Die offizielle Eröffnung des „Quai-Parks“ fand im Mai 1861 statt.

Schon vor der Fertigstellung des Parks erwarteten die Behörden, dass er bei den Wienern sehr beliebt sein würde. Das „Fremden-Blatt“ schrieb 1861, dass vier Betreiber zukünftiger Kaffeehäuser, die auf dem Gelände errichtet werden sollten, eine Genehmigung beim Magistrat beantragt hatten. Im Jahr 1862 erteilte der Gemeinderat Rudolf Müller die Bewilligung zur Errichtung eines Kaffeehauses.

Leider wussten die Wiener den „Quai-Park“ von Anfang an nicht richtig zu schätzen. Die Zeitschrift „Hans Jörgel von Gumpoldskirchen“ schrieb, das zugewucherte Parkgelände sehe sehr ungepflegt aus. Die wenigen Kastanien, Linden und Birken gingen ein, an ihnen befänden sich kaum Blätter. Darüber hinaus bezeichnete die Publikation den Park als eine „Schande für das neue Wien“, da es darin weder Blumenbeete noch Laternen gebe.

Im Herbst 1862 fand eine Sitzung des Gemeinderates statt, bei der dem Park ein neuer Name gegeben wurde: „Bürtel-Park“. Die Wiener nannten ihn jedoch spöttisch „Beserlpark“ (ein scherzhafter Ausdruck für einen „kleinen, ärmlichen Park“). Zudem begannen die Mitglieder der Sitzung, den Gärtner Siebeck zu beschuldigen, dass aufgrund seiner schlechten Arbeit fast alle Bäume im Park in einem furchtbaren Zustand seien.

Entwicklung und Niedergang des Parks

1870 ergriffen die Behörden Maßnahmen und entwickelten mehrere Programme zur Begrünung des Parks. Es schien, als ob der „Bürtel-Park“ zu gedeihen begann, aber das war nur von kurzer Dauer.

Im Jahr 1872 beschlossen die Behörden, auf dem Parkgelände eine Fischhalle zu errichten, doch bereits 1876 wurde zwischen dem Park und dem Ufer des Donaukanals unter der Augartenbrücke ein großer Fischmarkt eröffnet.

Im Herbst 1898 begann der Bau der Stadtbahn, wofür ein großer Teil des Parkgeländes in Anspruch genommen wurde.

In der Zeit von 1903 bis 1905 fügten die Bauarbeiten dem Park so großen Schaden zu, dass dem Magistrat nichts anderes übrig blieb, als ihn vollständig umzugestalten.

Der Uferstreifen grenzte nun direkt an den Tunnel, unter dem die Hauptbahn verlief. Man beschloss daher, diesen Bereich nur mit Gras und Sträuchern zu bepflanzen, die nun nicht nur eine ideale Gartengrenze bilden, sondern auch dazu beitragen, das schöne Panorama zu bewahren.

Im Jahr 1913 verlor der Park endgültig seine Fläche, obwohl Fotos aus dieser Zeit noch dichten Baumbewuchs zeigen.

Bald wurde klar, warum die Bäume in den ersten Jahren des Parks nicht richtig gewachsen waren. Der Grund war die falsche Bewässerung. Damals erfolgte die Bewässerung der Pflanzen im Park aus einem künstlich angelegten Becken und einem Brunnen auf dem Gelände.

Darüber hinaus wurde die Entwicklung des Parks im ersten Jahr seines Bestehens durch Bauarbeiten behindert. Eine Gasgesellschaft sollte über 20 Gaskandelaber installieren, doch leider geschah nichts und die Arbeiten wurden immer wieder verzögert. Solange die Gasleitungen nicht verlegt waren, konnten die Parkwege nicht fertiggestellt werden.

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