Park · Wien · ⭐ 9.3/10 · 20022 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 15:52:18
Adresse: 1010 Wien, Österreich
Volksgarten — der erste Hofgarten, der von Anfang an dem Volk gehörte
Der Volksgarten trägt sein Programm im Namen. Als 1809 die abziehenden französischen Truppen die Burgbastei sprengten, blieb vor der Hofburg eine Trümmerfläche zurück. Kaiser Franz I. ließ darauf ab 1821 keinen weiteren Privatgarten anlegen, sondern die erste Gartenanlage Österreichs, die das Kaiserhaus ausdrücklich für die Öffentlichkeit errichtete. Am 1. Mai 1823 wurde sie eröffnet. Die Pläne stammten von Ludwig Gabriel Remy, die Bepflanzung von Hofgärtner Franz Antoine dem Älteren, und anders als spätere Anlagen ist der Volksgarten streng geometrisch gebaut — Achsen, Rondelle, gerade Sichtlinien. In der Mitte steht ein griechischer Tempel, ringsum blühen über 3.000 Rosenstöcke, und am Rand sitzt die Kaiserin Elisabeth in weißem Marmor.
Höhepunkte
- Der Theseustempel — Pietro von Nobile baute ihn 1819 bis 1823 als verkleinerte Nachbildung des Theseion in Athen. Er war ein Siegesdenkmal über Napoleon und wurde eigens für Antonio Canovas Marmorgruppe errichtet; unter dem Bau lagerten bis 1841 antike Skulpturen der kaiserlichen Sammlung. Heute bespielt ihn das Kunsthistorische Museum mit wechselnden Arbeiten der Gegenwartskunst.
- Der Rosengarten — über 3.000 Rosensträucher in mehr als 200 Sorten, in geometrischen Beeten um die Hauptachsen gelegt. Von Ende Mai bis in den Herbst ist er das Ziel, wegen dessen die meisten Leute überhaupt herkommen.
- Das Kaiserin-Elisabeth-Denkmal — die sitzende Marmorfigur von Hans Bitterlich, rund zweieinhalb Meter hoch, wurde 1907 enthüllt; die architektonische Fassung mit Wasserbecken und Halbrund entwarf Friedrich Ohmann. Es ist der stillste und meistbesuchte Winkel des Gartens.
- Der Triton- und Nymphenbrunnen — Viktor Tilgner schuf ihn 1880; die bewegte Figurengruppe gehört zu den lebendigsten Brunnenplastiken der Wiener Innenstadt. Der ältere Volksgartenbrunnen von Anton Dominik Fernkorn stammt aus 1866.
- Das Grillparzer-Denkmal — die Marmorfigur des Dichters von Carl Kundmann steht seit 1889 in einer halbrunden Sitznische, deren Reliefs Szenen aus seinen Dramen zeigen.
- Die Orientalische Platane — rund zwanzig Meter hoch, mit ebenso breiter Krone und einem Stammumfang von etwa 3,6 Metern; sie steht als Naturdenkmal unter Schutz und ist der eindrucksvollste Einzelbaum der Anlage.
Was dich erwartet
Der Volksgarten ist ein Garten zum Sitzen, nicht zum Wandern. Fünf Hektar, klar geschnitten, mit geraden Wegen und Rondellen — wer hineingeht, hat die Struktur nach einer Minute begriffen und kann sich danach auf die Details konzentrieren. Genau das war 1823 gewollt: Die regelmäßige Anlage sollte übersichtlich bleiben. Heute wirkt diese Strenge angenehm, weil sie den Rosen, den Denkmälern und dem Tempel jeweils eine eigene Bühne gibt, statt alles zu vermischen.
- Der griechische Tempel als optischer Mittelpunkt, frei umgehbar und von allen Hauptachsen aus sichtbar.
- Zwei historische Brunnen, dazu das Wasserbecken vor dem Elisabeth-Denkmal.
- Denkmäler für Franz Grillparzer, Kaiserin Elisabeth und Bundeskanzler Julius Raab sowie die Bronze eines jugendlichen Athleten von 1921.
- Das ehemalige Cortische Kaffeehaus, ab 1820 nach Nobiles Entwürfen für Peter Corti gebaut — heute Restaurant und Klub. Hier erklang am 10. März 1867 die rein orchestrale Fassung des Donauwalzers von Johann Strauss Sohn.
- Schmiedeeiserne Gitter aus der Erweiterung von 1863, gefertigt in der Eisengießerei im mährischen Blansko.
- Ein Ausblick über den Heldenplatz auf die Neue Burg und die Türme des Rathauses — der Garten liegt genau im Scharnier zwischen Hofburg und Ministerienviertel.
Was man unternehmen kann — und für wen
- Für Rosenliebhaber — die Blüte von Ende Mai bis Anfang Juli, wenn über 200 Sorten gleichzeitig arbeiten. Viele Beete sind beschriftet, sodass der Besuch auch als Sortenkunde funktioniert.
- Für Kunstinteressierte — der Theseustempel als Ausstellungsraum: Das Kunsthistorische Museum zeigt hier jeweils eine einzige zeitgenössische Arbeit, was den Bau selbst mit ins Werk zieht.
- Für Geschichtsinteressierte — die Anlage als Dokument. Der Garten steht auf gesprengten Festungsresten, sein Tempel feiert einen Sieg über Napoleon, und sein Name markiert einen politischen Wendepunkt im Umgang des Hofes mit der Stadt.
- Für Fotografen und Hochzeitspaare — der Halbrund vor dem Elisabeth-Denkmal und die Rosenachsen; beides sind seit Jahrzehnten Wiens meistgenutzte Kulissen für Porträts.
- Für Pausensuchende — der Garten liegt zwischen mehreren großen Museen und Amtsgebäuden und ist der schnellste Weg, zwanzig Minuten lang nichts zu tun.
- Für Abendgäste — das Lokal im ehemaligen Kaffeehaus gehört zu den ältesten Vergnügungsadressen der Stadt und ist im Sommer mit Gastgarten in den Park geöffnet.
Anfahrt & Praktisches
Der Volksgarten liegt im ersten Bezirk, Innere Stadt, zwischen Hofburg und dem Boulevard, der die Altstadt umschließt. Am bequemsten kommt man mit der U-Bahn: die Linien U2 und U3 halten bei Volkstheater, die U3 zusätzlich bei Herrengasse. Mit der Straßenbahn fahren die Linien 1, 71, D und 2 bis zur Station Rathausplatz/Burgtheater, von dort sind es wenige Schritte; die Buslinie 48A endet ebenfalls bei Volkstheater. Der Eintritt ist frei, wie seit 1823. Der Garten ist eingefriedet und wird täglich auf- und zugesperrt: von April bis Oktober in der Regel von 6 bis 22 Uhr, im März von 7 bis 19 Uhr, von November bis Februar von 7 bis 17:30 Uhr. Verwaltet wird er von den Österreichischen Bundesgärten; Hunde dürfen nicht mitgenommen werden, das gilt streng. Für eine Runde durch alle Achsen genügen dreißig bis vierzig Minuten, mit Rosenblüte, Tempel und einer Sitzpause wird es leicht eine Stunde. Die Wege sind eben, gepflastert und für Kinderwagen wie Rollstuhl problemlos; Stufen gibt es nur an der Freitreppe des Tempels.
Wann besuchen
Im Frühling gehört der Garten den Zwiebelblühern und dem frischen Schnitt: Die Beete sind vorbereitet, die Rosen noch niedrig, die Achsen dadurch besonders klar zu lesen. Der Frühsommer von Ende Mai bis Anfang Juli ist der eigentliche Höhepunkt — dann blühen über 3.000 Rosenstöcke gleichzeitig, der Duft steht bei Windstille zwischen den Hecken, und der Garten ist von morgens bis abends belebt. Im Hochsommer wird es auf den offenen Achsen heiß; dann zieht sich alles unter die Platanen und in den Halbrund beim Elisabeth-Denkmal zurück, und die späten Abendstunden vor dem Zusperren sind die angenehmsten. Der Herbst bringt eine zweite, ruhigere Rosenblüte und dazu das gelbe Laub der großen Bäume gegen den weißen Marmor des Tempels — für viele die fotogenste Kombination des Jahres. Im Winter ist der Volksgarten fast leer, die Rosen sind zurückgeschnitten und angehäufelt, und der Theseustempel steht als reine geometrische Figur im kurzen Tageslicht.
Gut zu wissen
Die Burgbastei, die hier stand, wurde 1809 von den abziehenden Truppen Napoleons gesprengt; bis 1817 waren die Reste weitgehend abgetragen. Ludwig Gabriel Remy lieferte für die Neugestaltung die Pläne, Hofgärtner Franz Antoine der Ältere führte die Bepflanzung aus, und am 1. Mai 1823 wurde der Garten eröffnet — die erste Anlage in Österreich, die das Kaiserhaus ausdrücklich für die Bevölkerung errichten ließ. Die regelmäßige Form hatte einen doppelten Grund: Sie entsprach dem klassizistischen Geschmack und erlaubte gleichzeitig eine bequeme Überwachung des Publikums. Der Theseustempel entstand 1819 bis 1823 nach Plänen von Pietro von Nobile für Antonio Canovas Marmorgruppe, die 1890 ins Kunsthistorische Museum übersiedelte. 1863 fielen die letzten Kurtinen, der Garten wurde bis zum neuen Boulevard erweitert und mit schmiedeeisernen Gittern aus Blansko abgeschlossen; 1866 kam der Brunnen von Anton Dominik Fernkorn dazu, 1880 der Triton- und Nymphenbrunnen von Viktor Tilgner, 1889 das Grillparzer-Denkmal von Carl Kundmann. Das Denkmal für Kaiserin Elisabeth wurde ab 1904 errichtet und 1907 enthüllt. Seit 2001 gehört der Volksgarten zum UNESCO-Welterbe Historisches Zentrum von Wien.
Besuchertipps
- Für die Rosen früh kommen. In den ersten Stunden nach dem Aufsperren ist der Duft am stärksten und die Beete sind noch feucht — später am Tag verfliegt beides.
- Der Garten wird abends zugesperrt, im Winter schon am späten Nachmittag. Wer den Weg als Abkürzung einplant, sollte die Sperrzeiten kennen, sonst steht er vor dem Gitter.
- Hunde sind nicht erlaubt. Das ist keine Empfehlung, sondern Hausordnung der Bundesgärten und wird kontrolliert.
Fragen & Antworten
Warum heißt der Garten Volksgarten? Weil er von Anfang an für die Öffentlichkeit angelegt wurde. Er war 1823 die erste Gartenanlage, die das österreichische Kaiserhaus ausdrücklich nicht als Privatgarten, sondern für die Bevölkerung errichten ließ.
Was ist der Theseustempel? Eine verkleinerte Nachbildung des Theseion in Athen, 1819 bis 1823 von Pietro von Nobile als Siegesdenkmal über Napoleon errichtet. Er wurde für Antonio Canovas Marmorgruppe gebaut, die 1890 ins Kunsthistorische Museum kam; heute dient er als Ausstellungsraum für Gegenwartskunst.
Wie viele Rosen wachsen hier? Über 3.000 Rosenstöcke in mehr als 200 Sorten. Die Hauptblüte liegt zwischen Ende Mai und Anfang Juli, eine zweite, schwächere Blüte folgt im Herbst.
Kostet der Eintritt etwas? Nein. Der Volksgarten ist frei zugänglich, wird aber als eingefriedete Anlage der Österreichischen Bundesgärten täglich zu festen Zeiten auf- und zugesperrt.
Darf man Hunde mitnehmen? Nein. In den Hofburggärten sind Hunde und andere Tiere nicht gestattet.
Wie lange braucht man für einen Besuch? Für eine Runde durch die Hauptachsen dreißig bis vierzig Minuten. Mit Rosenblüte, Tempel, Denkmälern und einer Sitzpause eine gute Stunde.
Wo genau steht das Elisabeth-Denkmal? Im nördlichen Teil des Gartens, in einer eigenen halbrunden Anlage mit Wasserbecken. Die Figur schuf Hans Bitterlich, die architektonische Fassung Friedrich Ohmann; enthüllt wurde das Denkmal 1907.
Ist der Garten barrierefrei? Ja, die Wege sind eben und gepflastert, Kinderwagen und Rollstuhl kommen überall durch. Stufen gibt es nur bei der Freitreppe des Theseustempels.
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Gästebewertungen
Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 15:52:18
Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: viennaname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

Ein schöner Park, viele Rosen, Bänke, es gibt einen Brunnen..
Ein kleiner, schöner Park im Zentrum von Wien. Viele Grünanlagen, Bänke für die Erholungssuchenden.
Ein außergewöhnlich schöner Ort, man spürt sofort den Duft der Rosen.
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