Die Müllverbrennungsanlage Spittelau befindet sich im neunten Wiener Gemeindebezirk am Ufer des Donaukanals. Sie gilt als die sauberste Anlage der Welt, in der Müll thermisch verwertet wird. Darüber hinaus ist die Spittelau eine architektonische Sehenswürdigkeit Wiens mit einer sehr interessanten Geschichte, schreibt viennaname.eu.
Errichtung und Inbetriebnahme

Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung sollte die Anlage zwei Aufgaben lösen: die Versorgung der zentralen Fernwärme sicherstellen und den Müll dort entsorgen, wo er anfiel, ohne die Abfälle mit Müllwagen durch die ganze Stadt transportieren zu müssen.
Im Jahr 1969 erstellten der Architekt Josef Becwar und der Ingenieur Adolf Löckel den Entwurf. Daraufhin begannen die Bauarbeiten. Die innovative Ausrüstung wurde von der Firma „Martin“ geliefert. 1971 begann die schrittweise Inbetriebnahme des Heizkraftwerks. Im Sommer 1971 nahm die Spittelau ihren Betrieb auf und war für die Verarbeitung von 17 Tonnen Müll ausgelegt.
Am Rande des Abrisses
Nach 16 Jahren erfolgreichen Betriebs brach im Frühjahr 1987 während Reparaturarbeiten in der Anlage ein Feuer aus. In der erst kürzlich installierten Rauchgasreinigungsanlage explodierte ein 1000-Watt-Halogenstrahler. Da die Rauchgasanlage aus Kunststoff gefertigt war, fing sie sehr schnell Feuer und wurde vollständig zerstört. Der Schaden belief sich auf 500 Millionen Schilling (36 Millionen Euro).
Dank des bestehenden Netzes konnte die „Wien Energie Fernwärme“ (damals noch ein eigenständiges Unternehmen) trotz des Brandes problemlos eine zuverlässige Wärmeversorgung gewährleisten. Die beiden Abhitzekessel der Anlage erlitten nur geringfügige Schäden und hätten 10 Wochen nach dem Vorfall wieder in Betrieb genommen werden können. Dies geschah jedoch nicht, da die Rauchgasreinigungsanlage fehlte.
Die Frage, wie es weitergehen sollte, blieb lange Zeit offen. Viele Vertreter der Öffentlichkeit drängten auf den Abriss der Anlage. Die Stadtverwaltung unter der Führung von Bürgermeister Helmut Zilk entschied sich jedoch für den Wiederaufbau am ursprünglichen Standort.
Der ökologische Umbau

Die neue Anlage Spittelau sollte nicht nur in ökologischer, sondern auch in architektonischer Hinsicht wegweisend sein. Die Behörden planten, die neue Anlage mit modernster technischer Ausrüstung zur Abgasreinigung auszustatten. Diese sollte die durch die Müllverbrennung verursachten Schäden auf ein Minimum reduzieren.
Mit dem Umbau wurde Friedensreich Hundertwasser beauftragt. Die Hauptaufgabe beim Wiederaufbau der Anlage war die Verbesserung der Luftqualität in Wien während der aktiven thermischen Abfallverwertung. Darüber hinaus sollte die Spittelau neue Maßstäbe im Umweltschutz setzen und zu einem Schmuckstück der Stadt werden.
An der Gestaltung des Gebäudes arbeitete der Künstler und Ökologe Hundertwasser. Er ordnete die Fenster an der Fassade sehr kunstvoll an. Zudem wurde der zentrale Schornstein mit einer großen Kugel versehen und mit Emaille-Mosaiken verkleidet. Für die architektonische Gestaltung des Gebäudes wurden über 80 Millionen Schilling aufgewendet. 1989 wurden die Wiederaufbauarbeiten abgeschlossen. Im Zuge des Umbaus wurde die Spittelau mit den modernsten Rauchgasreinigungsanlagen Europas ausgestattet.
Im Zeitraum von 2012 bis 2015 fand eine weitere umfassende Modernisierung der Anlage statt. Diese war auf die modernen Anforderungen an die energetische Abfallverwertung zurückzuführen. Im Zuge der Arbeiten wurden die Müllverbrennungsanlagen erneuert und die alten Filter ausgetauscht. Darüber hinaus wurde eine neue Umformerstation zur Wärmeauskopplung installiert und ein neuer Generator ersetzte die alte, ausgefallene Turbine.

Die Modernisierung wirkte sich positiv auf die Anlage aus, denn die Spittelau wurde zum zweitgrößten Zentrum der Stromerzeugung in Wien. Die Anlage wurde in das städtische Fernwärmenetz integriert und erzeugt regulär 60 MW an thermischer Energie. Stand 2023 verwertet die Anlage rund 250 Tonnen Müll pro Jahr. In der goldenen Kugel auf dem Schornstein befindet sich eine Messstation, in der die Rauchgase analysiert werden. Die Verbrennungsprodukte Schlacke und Asche werden auf der Deponie Rautenweg entsorgt, während der Filterkuchen in ein unterirdisches Endlager verbracht wird.
