Hans Hass – Wiens Eroberer der Tiefsee

Der Name Hans Hass ist in der ganzen Welt bekannt. Er war ein talentierter österreichischer Ozeanologe, Zoologe und Biologe, der den größten Teil seines Lebens der Erforschung von Meereslebewesen widmete und einen großen Beitrag zur Wissenschaft leistete. Hass war der Erste, der Haie, Rochen und Wale in ihrem natürlichen Lebensraum fotografierte. Dank seiner Arbeit lernten Millionen von Menschen die geheimnisvolle Unterwasserwelt kennen, schreibt viennaname.eu.

Meeresforschung und Dokumentarfilme

Der zukünftige Wissenschaftler wurde am 23. Jänner 1919 in Wien in eine wohlhabende Familie geboren. Sein Vater war ein bekannter Rechtsanwalt. Schon von früher Kindheit an verspürte der Junge eine Liebe zum Wasser. Im Frühling und Sommer ging er täglich an die Donau, um schwimmen zu lernen.

Im Alter von 18 Jahren lernte der junge Mann während eines Urlaubs an der Côte d’Azur den amerikanischen Journalisten Guy Gilpatric kennen, der ihn in die Grundlagen der Unterwasserjagd einführte.

Im Jahr 1930 studierte der junge Mann Rechtswissenschaften an den Universitäten in Wien und Berlin, doch die Anziehungskraft des Unterwasserlebens und der Wissenschaft siegte. Nachdem er einen Artikel über seine Tiefseetauchgänge vor der Küste der Riviera geschrieben und veröffentlicht hatte, verdiente Hass genug Geld, um sich eine eigene Forschungsausrüstung zu kaufen. Bald darauf erwarb er ein Kreislauftauchgerät der Firma Drägerwerk AG und ein wasserdichtes Kameragehäuse. Eine solche Ausrüstung war damals eine Seltenheit und nicht für jeden erschwinglich. Sie ermöglichte es, lange Zeit unter Wasser zu bleiben und einzigartige Fotos und Videos aufzunehmen.

1938 leitete der junge Mann seine erste Expedition und tauchte mit einer Gruppe von Studienfreunden vor der Küste Jugoslawiens. Dort traf er im Meer zum ersten Mal auf einen Schwarm Haie. Die Forschungen während dieser Reise ermöglichten es ihm, Material für eine Reihe von Vorträgen zu sammeln, deren Einnahmen er für seine nächste Expedition nach Westindien verwendete. In der Karibik entwickelte Hass seine persönliche Methode, Haie zu filmen. Um die Aufmerksamkeit des Schwarms zu erregen, tat er so, als würde er fliehen, und weckte damit ihren Raubtierinstinkt. Wenn die Haie nahe genug herankamen, drehte sich Hans plötzlich um, schwamm auf den Schwarm zu und fotografierte.

1939 veröffentlichte der 20-jährige Zoologe sein erstes Buch „Jagd unter Wasser mit Harpune und Kamera“, das viele positive Kritiken erhielt. Und 1940 sah das Publikum den weltweit ersten Unterwasser-Kurzfilm „Pirsch unter Wasser“. Die Filme, Vorträge und Artikel brachten Hass gutes Geld ein, das er sparte und für eine Expedition ins besetzte Griechenland im Jahr 1942 ausgab. Im selben Jahr wurde Hans zum Militärdienst eingezogen und einer Einheit von Unterwasserkampfschwimmern der Wehrmacht zugeteilt. Ein feindlicher Luftangriff auf Neapel hätte beinahe zum Verlust seines wertvollen wissenschaftlichen Archivs geführt, das Hass in den vorangegangenen Jahren gesammelt hatte. Später bildeten diese Arbeiten die Grundlage für die Erlangung seines Doktorgrades in Zoologie.

Nach dem Krieg fehlten ihm die Mittel, um eine großangelegte Expedition zu finanzieren. 1950 reiste er nach Afrika, um die Korallenriffe des Roten Meeres zu erforschen. Beamte halfen ihm, ein Boot zu erwerben.

Während dieser Expedition drehte Hans den Film „Abenteuer im Roten Meer“, für den er 1951 bei den Filmfestspielen von Venedig mit einem Geldpreis ausgezeichnet wurde. Das erhaltene Geld investierte der Zoologe in den Kauf eines Forschungsschiffes, das mit der damals modernsten hydrographischen Ausrüstung ausgestattet war.

Eine ständige Begleiterin und Teilnehmerin an Hass‘ Projekten war seine Frau Lotte. Hans versuchte stets, die negative öffentliche Meinung über Haie zu ändern und den Menschen zu beweisen, dass sie keine Meeresmörder sind. Er drehte mehrere Filme, um die Wahrheit über sie zu zeigen. Der Mann entwickelte auch viele Methoden und Instrumente, die ihm eine bessere Erforschung der Meerestiefen ermöglichten. Er schuf die erste funktionierende Unterwasserkamera und spezielle Taucherflossen.

Im Winter 1944 erlangte Hass den Doktorgrad in Zoologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und setzte seine Forschungen in den Meerestiefen fort.

Wissenschaftliche Karriere

1961 gab Hans das Tauchen und die Filmproduktion auf und konzentrierte sich auf die Entwicklung der Energon-Theorie. Sie basiert darauf, dass sich alle Organismen in ständiger Bewegung befinden und in ihren Körpern und Organen komplexe Prozesse ablaufen. Die Theorie besagt, dass alle Strukturen, die das Leben unabhängig aufrechterhalten, energie-erwerbende Systeme oder „Energone“ sind. Zu dieser Zeit wurde Hass‘ Wissen in der akademischen Welt als „pseudowissenschaftlich“ bezeichnet, fand jedoch in Geschäftskreisen Anerkennung.

1970 begann der Wissenschaftler, sich mit verschiedenen Umweltfragen zu beschäftigen. In dieser Zeit wurde er auch zum Professor an der Universität Wien ernannt. Dieser Titel war für ihn im Grunde eine staatliche Auszeichnung und Anerkennung für seinen unschätzbaren Beitrag zur Wissenschaft.

Ein unschätzbarer Beitrag

Insgesamt drehte der Wissenschaftler im Laufe seiner Karriere über 70 einzigartige Filme, schrieb etwa 20 Bücher und machte unzählige Fotos, die ein wahrer Schatz in der Geschichte der menschlichen Erforschung der Ozean- und Meerestiefen sind.

Das aktive kreative und wissenschaftliche Leben des Professors dauerte bis zu seinem Tod an. Im Jahr 2013 verstarb er im Alter von 94 Jahren und hinterließ ein umfangreiches Werk, das auch von Zeitgenossen genutzt wird. Dank seines Engagements, seiner Liebe zum Wasser und zu den Tieren erzielte Hass einen kolossalen Erfolg!

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