Schlossgarten Belvedere

Park · Wien · ⭐ 9.5/10 · 40150 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 15:52:17

Adresse: Prinz-Eugen-Straße 27, 1030 Wien, Österreich

Schlossgarten Belvedere — die barocke Achse zwischen zwei Schlössern

Der Schlossgarten Belvedere wächst nicht um ein Gebäude herum, er verbindet zwei. Dominique Girard, ein Schüler von André Le Nôtre, legte die Anlage ab etwa 1700 als eine einzige gefasste Achse an: unten das Wohnschloss des Prinzen Eugen von Savoyen, oben der Repräsentationsbau, dazwischen rund 23 Höhenmeter. Diese Höhendifferenz ist der eigentliche Entwurf — sie wird in drei Parterres, zwei Kaskaden und eine Folge von Freitreppen übersetzt. Wer von unten hinaufsteigt, sieht das Obere Belvedere Stufe um Stufe aus den Hecken wachsen; wer oben am Wasserbecken steht, sieht die Fassade gespiegelt und dahinter die Silhouette der Stadt bis zum Stephansdom. 1725 war der Garten fertig, seit 1780 steht er allen offen, und er kostet bis heute keinen Eintritt.

Höhepunkte

  • Die drei Parterres — Girard staffelte den Hang in ein unteres, mittleres und oberes Gartenniveau. Jede Ebene trägt ihr eigenes Muster aus geschnittenen Hecken, Rasenfeldern und Wasserbecken, und erst von der mittleren Terrasse aus greift die Perspektive auf beide Schlösser gleichzeitig.
  • Die beiden Kaskadenbrunnen — an den Geländesprüngen sitzen zwei plastisch reich ausgestattete Kaskaden; eine davon staffelt das Wasser über fünf Stufen. Tritonen, Nereiden und Muschelmotive bewachen die Becken und übersetzen den Höhenunterschied in Geräusch.
  • Die Sphingen — auf dem oberen Parterre lagern steinerne Sphingen mit Frauenkopf und Löwenleib an den Rampen. Sie sind das meistfotografierte Detail der Anlage und gehören zum Bildprogramm, das Prinz Eugen als Feldherrn und Bauherrn gleichzeitig feiert.
  • Das Spiegelbecken vor dem Oberen Belvedere — das lange Becken ist so gesetzt, dass die Fassade bei Windstille vollständig im Wasser erscheint. Der Trick ist barocke Absicht: Das Schloss wirkt doppelt so hoch, wie es ist.
  • Der Kammergarten — der ehemalige Privatgarten des Prinzen Eugen liegt auf zwei Terrassen westlich des Unteren Belvedere, mit Orangerie, geschnittenen Formgehölzen und Blumenpavillons. Er ist nur mit gültigem Ticket für das Untere Belvedere zugänglich und tagsüber von 10 bis 18 Uhr offen.
  • Der Alpengarten — der älteste Alpengarten Europas. Die Sammlung geht auf 1803 zurück, als die Erzherzöge Johann, Rainer und Anton Hochgebirgspflanzen zusammentrugen; 1865 wurde sie hierher übersiedelt. Heute wachsen auf rund 2.500 Quadratmetern über 4.000 Arten, dazu eine Bonsai-Sammlung.

Was dich erwartet

Der Garten ist streng gebaut, aber er lässt sich sehr entspannt gehen. Die Hauptachse ist breit, eben gepflastert und führt ohne Umweg von Schloss zu Schloss; alles Übrige ist Nebenweg, Rasenfläche und Hecke. Man braucht keine Karte, weil die Anlage sich selbst erklärt — man sieht immer, wo oben und wo unten ist. Rechts und links der Achse verstecken sich die stilleren Teile: Baumreihen, ein Teich hinter dem Oberen Belvedere, der Übergang in den Botanischen Garten der Universität Wien.

  • Zwei Barockschlösser als Rahmen: das Untere Belvedere von 1712 bis 1716 und das Obere von 1717 bis 1723, beide von Johann Lucas von Hildebrandt.
  • Zwölf Brunnen, die zwischen 2005 und 2010 gesamthaft restauriert wurden und in der warmen Jahreszeit laufen.
  • Geschnittene Hecken und Formgehölze, die den Blick führen — der Garten hat kaum Sichtachsen, die ins Leere laufen.
  • Ein Teich südlich des Oberen Belvedere und die Reste der halbrunden Menagerie an der Ostseite, die bis 1726 exotische Tiere beherbergte.
  • Der frei zugängliche Botanische Garten der Universität Wien direkt nebenan: rund acht Hektar, etwa 11.500 Pflanzenarten, 1754 auf Anraten von Gerard van Swieten unter Maria Theresia gegründet.
  • Die Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere in den Schlossräumen, mit dem weltweit größten Bestand an Werken von Gustav Klimt.

Was man unternehmen kann — und für wen

  • Für Architektur- und Gartenfreunde — die Anlage in beide Richtungen abgehen. Von unten nach oben liest man den Aufbau als Steigerung, von oben nach unten als Panorama; es sind zwei verschiedene Gärten im selben Grundriss.
  • Für Fotografen — das Spiegelbecken am frühen Morgen, wenn kein Wind geht und die Fassade sauber im Wasser liegt. Am späten Nachmittag steht die Sonne hinter dem Oberen Belvedere und macht die Sphingen zu Silhouetten.
  • Für Museumsbesucher — Klimt, Schiele, Kokoschka und der österreichische Barock in den Schlossräumen; der Garten ist dann Pause zwischen zwei Sammlungsteilen statt eigenes Ziel.
  • Für Botanikinteressierte — Alpengarten und Botanischer Garten hintereinander. Der eine zeigt Hochgebirgsflora in Schaubeeten, der andere ein wissenschaftliches Arboretum mit Gewächshäusern.
  • Für Familien — die breite Mittelachse ist kinderwagentauglich, die Rasenflächen laden zum Sitzen ein, und die Brunnenfiguren funktionieren als Suchspiel: Wer findet alle Sphingen?
  • Für Läufer und Frühaufsteher — der Garten öffnet früh, und die erste Stunde gehört fast ausschließlich Einheimischen mit Hund oder Laufschuhen.

Anfahrt & Praktisches

Der Schlossgarten liegt im dritten Bezirk, Landstraße, am Südrand der Innenstadt. Die einfachste Anfahrt zum oberen Eingang ist die Straßenbahnlinie D bis zur Station Schloss Belvedere; von dort sind es wenige Schritte. Zum unteren Eingang fahren die Straßenbahnlinien D und 71 bis Unteres Belvedere. Mit der U-Bahn nimmt man die U1 bis Südtiroler Platz-Hauptbahnhof und geht etwa zehn Minuten; die S-Bahn-Station Rennweg liegt rund fünf Minuten vom unteren Eingang entfernt. Der Schlossgarten selbst ist kostenlos zugänglich. Eintritt kostet nur, was zusätzlich erschlossen wird: die Schlossräume mit den Sammlungen sowie der Alpengarten; der Kammergarten ist ausschließlich mit Ticket für das Untere Belvedere zu betreten. Der Garten öffnet von April bis Oktober ab 6:30 Uhr, von November bis März ab 7:00 Uhr; geschlossen wird je nach Jahreszeit zwischen dem späten Nachmittag im Winter und dem späten Abend im Hochsommer. Der Alpengarten hat eine kurze Saison von Mitte März bis Ende September, täglich von 10 bis 18 Uhr. Für den Garten allein reicht eine gute Stunde; wer beide Schlösser, den Alpengarten und den Botanischen Garten mitnimmt, sollte einen halben bis ganzen Tag rechnen. Die Hauptachse ist barrierefrei begehbar, die seitlichen Treppen zwischen den Terrassen sind es nicht — der Umweg über die Rampen ist ausgeschildert.

Wann besuchen

Im Frühling steht der Garten am schärfsten: Die Hecken sind frisch geschnitten, die Parterres neu bepflanzt, die Brunnen laufen wieder, und die Blüte im Botanischen Garten nebenan setzt Farbe gegen die strenge Geometrie. Der Sommer ist die Zeit der langen Abende — die Anlage bleibt bis in die Dämmerung offen, das Wasser der Kaskaden kühlt hörbar, und die Rasenflächen füllen sich mit Wienerinnen und Wienern, die nach der Arbeit hier sitzen; mittags allerdings gibt es fast keinen Schatten auf der Achse. Der Herbst ist die schönste Zeit für Farbe: Die Baumreihen an den Seiten färben sich, der Dunst über der Stadt macht den Blick vom oberen Parterre weich, und der Andrang lässt spürbar nach. Im Winter wird der Garten zur reinen Zeichnung — Hecken und Treppen liegen als Linien im Grau oder unter Schnee, die Brunnen sind abgestellt, und das Obere Belvedere steht ohne jedes Beiwerk da; das ist der ruhigste und für viele der eindrucksvollste Zustand der Anlage.

Gut zu wissen

Prinz Eugen von Savoyen, Feldherr im Dienst der Habsburger und Sieger über das Osmanische Reich, erwarb das Gelände am Südhang vor der Stadt gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Johann Lucas von Hildebrandt baute zuerst das Untere Belvedere als Wohnschloss (1712 bis 1716) und danach das Obere als Festbau (1717 bis 1723); Dominique Girard entwarf den Garten dazwischen, der 1725 vollendet war. Nach dem Tod des Prinzen 1736 fiel der Besitz an das Kaiserhaus, Maria Theresia kaufte ihn 1752. Unter Joseph II. wurde 1780 die kaiserliche Gemäldegalerie im Oberen Belvedere eingerichtet und die Anlage öffentlich zugänglich gemacht — eines der frühesten öffentlichen Museen Europas. Die Menagerie an der Ostseite bestand nur bis 1726. Am 15. Mai 1955 wurde im Marmorsaal des Oberen Belvedere der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet; das Bild der Politiker auf dem Balkon gehört zum visuellen Gedächtnis der Republik. Seit 2001 ist das Ensemble Teil des UNESCO-Welterbes Historisches Zentrum von Wien. Die zwölf Brunnen wurden zwischen 2005 und 2010 denkmalgerecht instandgesetzt.

Besuchertipps

  • Von unten nach oben gehen, nicht umgekehrt. Der Garten ist als Steigerung komponiert, und der Blick auf die Stadt am oberen Ende ist die Pointe — nimm sie nicht vorweg.
  • Der Alpengarten hat eine kurze Saison und schließt den Ticketverkauf deutlich vor der Sperrstunde. Wer ihn sehen will, plant ihn als Ersten, nicht als Letzten des Tages.
  • Der Botanische Garten der Universität nebenan ist frei zugänglich und fast immer leerer als der Schlossgarten. Er ist der beste Ort für eine Pause, wenn es auf der Hauptachse zu voll wird.

Fragen & Antworten

Kostet der Schlossgarten Eintritt? Nein. Der gesamte barocke Schlossgarten zwischen Unterem und Oberem Belvedere ist frei zugänglich. Kostenpflichtig sind nur die Schlossräume mit den Sammlungen und der Alpengarten; der Kammergarten ist mit dem Ticket für das Untere Belvedere zu betreten.

Wer hat den Garten entworfen? Dominique Girard, ein Schüler des französischen Gartenarchitekten André Le Nôtre. Er begann um 1700, die Anlage war 1725 fertig. Die Schlösser stammen von Johann Lucas von Hildebrandt.

Wie lange sollte man einplanen? Für den Garten allein etwa eine Stunde. Mit einem der beiden Schlösser rund drei Stunden, mit beiden Schlössern, Alpengarten und Botanischem Garten ein halber bis ganzer Tag.

Ist die Anlage kinderwagen- und rollstuhltauglich? Die Hauptachse ja — sie ist breit und über Rampen geführt. Die seitlichen Treppen zwischen den Terrassen sind es nicht; für den Höhenunterschied von rund 23 Metern gibt es einen ausgeschilderten Umweg.

Wann laufen die Brunnen? In der frostfreien Zeit, also grob vom Frühling bis in den Herbst. Im Winter sind die zwölf Brunnen abgestellt, der Garten wirkt dann als reine Architektur.

Was ist der Unterschied zwischen Alpengarten und Botanischem Garten? Der Alpengarten gehört zu den Österreichischen Bundesgärten, zeigt Hochgebirgsflora auf rund 2.500 Quadratmetern und ist kostenpflichtig sowie nur in der Sommersaison offen. Der Botanische Garten gehört der Universität Wien, umfasst rund acht Hektar mit etwa 11.500 Arten und ist frei zugänglich.

Warum ist das Belvedere historisch so wichtig? Neben der Barockarchitektur vor allem wegen des 15. Mai 1955: Im Marmorsaal des Oberen Belvedere wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet, der die Souveränität des Landes wiederherstellte.

Kann man auf den Rasenflächen sitzen? Auf den dafür freigegebenen Wiesen ja; die geschnittenen Parterres und Beete der Barockachse sind davon ausgenommen. Die Beschilderung vor Ort regelt es eindeutig.

Gästebewertungen

  1. Alina Shulepa

    Ein sehr schöner, gepflegter Garten! Der Eintritt ist frei.

  2. Лариса Морозенко

    Zurzeit gibt es viele verschiedene Blumen. Ziemlich zutrauliche Eichhörnchen, sie kamen bis an die Hände.

  3. Igor “Igogo” Bushyn

    Ein schöner und gepflegter Garten. Am besten besucht man ihn im Frühling und im Sommer. Viele Bänke. Es gibt Brunnen und Skulpturen. Der Eintritt ist kostenlos. Ich empfehle, vor oder nach dem Besuch des Schlosses Belved…

  4. Oksana Hrazhdan

    Selbst wenn noch keine Blumen blühen, wirkt der Garten großartig. Viele verschiedene Skulpturen. Bequeme Wege zum Spazierengehen. Vom oberen Schloss aus eröffnet sich ein herrlicher Ausblick.

  5. Alla Stepanova

    Der Eintritt ist kostenlos. Ein unglaublicher Ort voller Geschichte und Schönheit, wenn man hier geht, hat man jede Sekunde das Gefühl, gleich schaue eine vornehme Dame im Kleid mit zahlreicher Dienerschaft hervor – e…

Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 15:52:17

Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: viennaname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

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