Neusiedler See – das „Wiener Meer“ mit instabilen Wasserständen

Der Neusiedler See ist der viertgrößte See Mitteleuropas. Er liegt an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn. Der Neusiedler See gilt als Steppensee und unterscheidet sich von den Alpenseen. Sein Wasser ist trüb, der Salzgehalt relativ niedrig, und seine Tiefe übersteigt an manchen Stellen 1,5 Meter.

Der See wird hauptsächlich durch Niederschläge gespeist und unterliegt daher starken natürlichen Wasserstandsschwankungen, wie viennaname.eu berichtet.

Gefahr des Verschwindens

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte der Neusiedler See immer wieder extremes Niedrigwasser und Überschwemmungen, die durch die Wasserstandsschwankungen verursacht wurden. So vergrößerte sich beispielsweise 1786 die Seefläche um das Eineinhalbfache, wodurch große Landflächen überflutet wurden. Im Zeitraum von 1865 bis 1870 trocknete der Neusiedler See vollständig aus.

Infolge menschlicher Eingriffe wurden Perioden mit niedrigem Wasserstand häufiger. Die Menschen reagierten unterschiedlich auf diese Veränderungen. Einige freuten sich über den großen See, andere forderten seine Trockenlegung.

Vom 17. bis ins 20. Jahrhundert gab es zahlreiche Pläne zur Trockenlegung und Regulierung des Neusiedler Sees. 1910 wurde der Einser-Kanal mit dem Ziel der Trockenlegung gebaut. Das Vorhaben scheiterte, doch ein Drittel des Wasservolumens ging verloren.

Der Wasserstand des Sees wird, Stand 2020, durch ein Schleusensystem reguliert. So wurde aus dem unberechenbaren Steppensee ein reguliertes Gewässer.

Der Eindruck einer großen Naturlandschaft ist trügerisch. Alles, was am Neusiedler See als „Naturidylle“ erscheint, wurde durch menschlichen Einfluss geschaffen. Die Wasserlandschaft ist weitgehend vom Menschen geformt und kontrolliert. Im Jahr 2020 war der größte Teil des Sees mit Schilf bewachsen, doch das war nicht immer so.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann das Schilf am See stark zu wachsen. Dies führte zu einem niedrigen Wasserstand und einem erhöhten Nährstoffeintrag aus der Landwirtschaft. Im Schilfgürtel finden zahlreiche bedrohte Tierarten Zuflucht.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der größte Teil des Sees an Österreich. Der Slogan „Meer der Wiener“ wurde von Tourismusexperten aus dem Burgenland geprägt, um möglichst viele Touristen an den See zu locken und so die Wirtschaft anzukurbeln.  

Ein Erholungsort für die Menschen

Das Nordufer des Neusiedler Sees entwickelte sich zu einem der beliebtesten Erholungsorte für die Wiener. 1920 wurde am Ufer des Sees ein großer Badekomplex errichtet. Die Terrasse bot Platz für bis zu 800 Personen. Den Urlaubern standen zwei Restaurants zur Verfügung: das „Zum Meer der Wiener“ und das „Venedig am Neusiedlersee“.

Jeden Sommer versammelten sich viele Urlauber am Seeufer, und alle genossen die Zeit. Doch die Wirtschaftskrise und eine Periode des Niedrigwassers machten alles zunichte. 1935 betrug die durchschnittliche Tiefe des „Meeres der Wiener“ nur noch etwas mehr als 70 cm. Ein breiter Uferstreifen war trocken und schlammbedeckt.

Daraufhin versuchte man, den See als Zentrum für Wintersportarten zu positionieren. Doch bereits 1940 kehrte das Wasser zurück und erreichte einen Höchststand.

Im Jahr 1960 schuf der niedrige Wasserstand erneut die Gefahr, dass der See verschwinden könnte. In einigen Wiener Zeitungen wurde geschrieben, dass der Neusiedler See in 10 Jahren verschwunden sein würde.

Trotz allem stand der Tourismusboom erst am Anfang. Die sonnige Weite des Sees wurde zum idealen Urlaubsziel für Segelsportbegeisterte. Seit Beginn des Jahrhunderts war der durchschnittliche Wasserstand des Neusiedler Sees um etwa 60 cm gefallen. Einige Wasserbauingenieure versuchten, den „todkranken“ See zu retten, indem sie einen Damm zwischen Illmitz und Mörbisch bauten, um Wasser aus den Flüssen Leitha und Raab zuzuleiten.

Eine gute Lösung war das System der Wehranlage am Einser-Kanal. Mit ihrer Hilfe wird der Wasserstand des Neusiedler Sees seit 1965 auf einem hohen Niveau gehalten.

Die Wehranlage wird nur bei starken Regenfällen geöffnet, um Wasser aus dem See abzulassen. Seit der Errichtung der Wehranlage gehören starke Wasserstandsschwankungen der Vergangenheit an, was eine der Hauptvoraussetzungen für die Beliebtheit des Sees und seine intensive touristische Nutzung wurde.

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