Park · Wien · ⭐ 9.3/10 · 10629 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 15:52:21
Adresse: 1020 Wien, Österreich
Augarten — Wiens ältester Barockgarten, seit 1775 für alle geöffnet
Der Augarten ist die älteste erhaltene barocke Gartenanlage Wiens und zugleich der erste kaiserliche Garten, den ein Habsburger ausdrücklich der Allgemeinheit übergab. Über der Hauptpforte steht seit 1775 die Widmung Joseph II.: ein „allen Menschen gewidmeter Erlustigungsort von ihrem Schätzer“. Was daraus entstanden ist, wirkt bis heute erstaunlich modern — ein streng geometrisches Alleensystem aus Kastanien, Ulmen, Linden, Eschen und Ahornen, dazwischen offene Wiesen, an denen sich Leopoldstädter Alltag, Weltklassemusik und Porzellanhandwerk überschneiden. Und mitten in dieser barocken Ordnung stehen zwei Betonkolosse aus dem Jahr 1944, die sich weder entfernen noch übersehen lassen. Kaum ein Wiener Park trägt seine Widersprüche so offen.
Höhepunkte
- Barockes Alleensystem — der französische Grundriss geht auf den Gartenarchitekten Jean Trehet zurück, der ab 1705 im Auftrag Kaiser Joseph I. arbeitete und auch für die Anlagen von Schönbrunn und Belvedere verantwortlich zeichnete. Die schnurgeraden, mehrreihigen Baumalleen bilden bis heute das Gerüst der gesamten Anlage.
- Die beiden Flaktürme — im Sommer 1944 errichtet: ein Gefechtsturm von 55 Metern und ein Leitturm von 51 Metern Höhe. Sie sind bis heute nicht abtragbar und stehen als unübersehbare Mahnmale mitten im Garten.
- Augartenpalais — barockes Palais, das seit 1948 Sitz der Wiener Sängerknaben ist. In den Jahren 1934 bis 1936 residierte hier Bundeskanzler Kurt Schuschnigg.
- Porzellanmanufaktur Augarten — untergebracht im ehemaligen Saalgebäude des Schlosses. Die Wiener Manufaktur wurde 1718 gegründet und ist damit die zweitälteste Europas; seit 1923 wird im Augarten wieder von Hand gefertigt.
- MuTh — der privat finanzierte Konzertsaal der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz, eröffnet am 9. Dezember 2012.
- Filmarchiv Austria — seit 1997 im Augarten ansässig; im Sommer läuft am Augartenspitz ein Freiluftkino, das zu den etabliertesten Open-Air-Programmen der Stadt gehört.
Was dich erwartet
Gut 52 Hektar, aber kein einziger verwinkelter Weg: Der Augarten ist konsequent auf Achsen gebaut, und genau das macht ihn so angenehm zu benutzen. Man sieht immer, wo man hinkommt, und die Alleen liefern selbst im Hochsommer durchgehend Schatten. Zwischen den Achsen liegen weite, offene Wiesenflächen, die als Liege-, Spiel- und Sportflächen freigegeben sind. Als Bundesgarten steht die Anlage im Eigentum der Republik Österreich, ist seit 1918 in dieser Verwaltung und wird gärtnerisch entsprechend intensiv betreut.
- Mehrreihige Alleen aus Rosskastanie, Linde, Ulme, Esche und Ahorn als tragendes Gerüst
- Gepflegte Parterreflächen mit wechselnden Blumenpflanzungen
- Große offene Wiesen, im Sommer die wichtigste Freifläche der Leopoldstadt
- Kinderspielbereiche und ein Kinderfreibad im Sommerbetrieb
- Sportflächen, darunter ein eigenes Stadion- und Sportareal im Nordteil
- Kulturinstitutionen direkt im Park: Konzertsaal, Filmarchiv, Porzellanmanufaktur, Sängerknaben-Sitz sowie ein Campus und ein Pflegeheim am Rand
Was man unternehmen kann — und für wen
- Spaziergänger und Hundehalter — das Alleensystem ergibt klare, ebene Runden ohne Steigung; wer eine feste Tagesrunde sucht, findet hier die berechenbarste Strecke der inneren Bezirke.
- Musikinteressierte — im Augarten spielte Mozart, hier dirigierte Schuppanzigh Beethoven, und heute proben die Wiener Sängerknaben im Palais; Konzerte im MuTh setzen diese Linie fort.
- Familien — Spielbereiche, Wiesen ohne Betretungsverbot und im Sommer das Kinderfreibad; die geraden Wege sind auch mit Kinderwagen unkompliziert.
- Läufer — die Hauptachsen lassen sich zu Runden unterschiedlicher Länge kombinieren, mit durchgehendem Baumschatten und ohne Querverkehr.
- Geschichts- und Architekturinteressierte — Barockgrundriss, Palaisbauten von 1781 und die Flaktürme von 1944 liegen hier auf wenigen hundert Metern nebeneinander.
- Kinobesucher — das sommerliche Freiluftkino des Filmarchivs macht den Augarten abends zu einem eigenständigen Kulturort.
Anfahrt & Praktisches
Der Augarten liegt im 2. Bezirk, der Leopoldstadt, nur wenige Minuten vom Donaukanal entfernt. Mit der U-Bahn erreicht man ihn über die Linie U2, Station Taborstraße, die seit 2008 in Betrieb ist. Die Straßenbahnlinien 2, 5 und 31 halten rund um die Anlage, ergänzt durch Buslinien im Bezirk. Der Eintritt ist frei. Als Bundesgarten hat der Augarten allerdings Tore und feste Öffnungszeiten: geöffnet wird von 1. April bis 31. Oktober um 6:30 Uhr und von 1. November bis 31. März um 7:00 Uhr; gesperrt wird bei Einbruch der Dunkelheit, im Sommer also deutlich später am Abend als im Winter. Für eine Runde über die Hauptachsen genügen etwa 60 bis 90 Minuten; wer ein Konzert, das Freiluftkino oder einen Besuch der Manufaktur anhängt, plant besser einen halben Tag ein.
Wann besuchen
Im Frühling ist der Augarten in seiner überzeugendsten Form: Die Kastanienalleen treiben aus und blühen, die Parterres werden neu bepflanzt, und das Alleengerüst wird erst jetzt wieder als grüner Raum lesbar. Der Sommer verschiebt das Leben auf die Wiesen und in den Schatten der mehrreihigen Baumreihen — bei Hitze ist der Temperaturunterschied zwischen Allee und offener Fläche in der Stadt kaum irgendwo so deutlich; abends laufen Freiluftkino und Konzertbetrieb. Im Herbst färben sich Ulmen, Linden und Ahorne, die Sichtachsen werden länger, und die Kastanien liefern den Kindern das beste Sammelmaterial der Saison. Der Winter reduziert die Anlage auf ihre Geometrie: kahle Alleen, klare Fluchten, die beiden Türme noch dominanter als sonst — die ehrlichste Zeit, um zu verstehen, wie dieser Garten gebaut ist. Zu beachten ist nur, dass die Tore in der dunklen Jahreszeit früh geschlossen werden.
Gut zu wissen
Die Geschichte beginnt 1614, als Kaiser Matthias in der damaligen Wolfsau ein Jagdhaus errichten ließ. In den 1650er-Jahren legte Ferdinand III. hier einen Garten nach niederländischem Vorbild an, in den 1660er-Jahren erwarb Leopold I. die angrenzenden Trautson’schen Gärten und formte daraus einen barocken Lustpark. Während der zweiten Türkenbelagerung 1683 wurde die Anlage zerstört; ab 1705 ließ Joseph I. sie durch Jean Trehet wiederherstellen, 1712 beauftragte Karl VI. eine neue Gestaltung im französischen Stil. Den entscheidenden Schritt setzte Joseph II.: Am 1. Mai 1775 öffnete er den Garten für die Öffentlichkeit — die berühmte Widmungsinschrift über dem Eingang stammt aus diesem Jahr. 1781 kamen mit dem Josephsstöckl und dem Augartenpalais die prägenden Bauten hinzu. Musikgeschichtlich ist der Ort erstklassig dokumentiert: Am 26. Mai 1782 gab Mozart hier seine erste Morgenakademie, Beethoven-Werke wurden unter Ignaz Schuppanzigh aufgeführt, und von 1820 bis 1847 fanden am 1. Mai die berühmten Konzerte statt, bei denen unter anderem Johann Strauß Vater spielte. 1830 stand der Garten beim großen Donauhochwasser 1,75 Meter unter Wasser. Seit 1918 gehört die Anlage der Republik Österreich. Der tiefste Bruch kam im Sommer 1944 mit dem Bau der beiden Flaktürme, die den barocken Grundriss bis heute durchschneiden.
Besuchertipps
- Die Öffnungszeiten vor dem Besuch prüfen — anders als bei den städtischen Parks wird der Augarten als Bundesgarten bei Einbruch der Dunkelheit versperrt.
- Am schönsten betritt man die Anlage über eine der Hauptachsen: Erst aus dieser Perspektive erschließt sich die barocke Fluchtwirkung des Alleensystems.
- Wer Musik im Programm hat, prüft vorab die Termine im MuTh am Augartenspitz und beim sommerlichen Freiluftkino des Filmarchivs — beide liegen fußläufig im Park selbst.
Fragen & Antworten
Kostet der Augarten Eintritt? Nein, der Garten ist frei zugänglich. Kostenpflichtig sind nur einzelne Veranstaltungen und Einrichtungen im Park, etwa Konzerte oder Kinovorstellungen.
Wann ist der Augarten geöffnet? Von 1. April bis 31. Oktober ab 6:30 Uhr, von 1. November bis 31. März ab 7:00 Uhr. Geschlossen wird bei Einbruch der Dunkelheit, die Sperrzeit verschiebt sich also mit der Jahreszeit.
Warum stehen zwei Betontürme im Park? Es sind Flaktürme aus dem Sommer 1944 — ein Gefechtsturm mit 55 und ein Leitturm mit 51 Metern Höhe. Ihre Bausubstanz macht einen Abriss praktisch unmöglich.
Seit wann darf die Öffentlichkeit den Garten betreten? Seit dem 1. Mai 1775, als Joseph II. die kaiserliche Anlage der Allgemeinheit widmete. Die Inschrift über der Hauptpforte hält das bis heute fest.
Was hat der Augarten mit Musik zu tun? Sehr viel: Mozart gab hier am 26. Mai 1782 seine erste Morgenakademie, seit 1948 sitzen die Wiener Sängerknaben im Augartenpalais, und seit 9. Dezember 2012 steht am Augartenspitz ihr Konzertsaal MuTh.
Wie groß ist die Anlage? Rund 52 Hektar. Damit ist der Augarten eine der größten zusammenhängenden Grünflächen in den inneren Bezirken.
Wird hier wirklich Porzellan hergestellt? Ja. Die Manufaktur Augarten arbeitet im ehemaligen Saalgebäude des Schlosses; die Wiener Manufaktur wurde 1718 gegründet und ist die zweitälteste Europas, seit 1923 wird im Augarten produziert.
Eignet sich der Park für Kinder? Ja — es gibt Spielbereiche, ein Kinderfreibad im Sommerbetrieb, weite bespielbare Wiesen und ebene, kinderwagentaugliche Alleen.
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Gästebewertungen
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Ein schöner Park mit vielen Picknickzonen, es gibt Spielplätze für Kinder und Erwachsene, ein städtisches Freibad für Kinder, Wiesen, um die herum Bäume wachsen, sowie zwei wunderschöne große Beete mit Blumen und Gras. I…
Eine grüne und gemütliche Oase zum Erholen und Spazieren in der Stadt. Es gibt Kinderspielplätze und ein Kinderbecken.
Ich empfehle unbedingt einen Besuch, der Park selbst ist sehr schön, und die Flaktürme aus dem Zweiten Weltkrieg muss man einfach sehen – sie sind beeindruckend. Außerdem sollte man unbedingt Nüsse mitnehmen und die Eich…
Ein Stück lebendige Natur unweit des Wiener Zentrums. Zurzeit ist es noch nicht sehr sauber, aber viele Mitarbeiter arbeiten daran, den Park von Müll und trockenen Ästen zu befreien und Blumen zu pflanzen. Ich hoffe also…
Außer den Flaktürmen und dem Porzellanmuseum gibt es nichts weiter Interessantes. Ein gewöhnlicher Park.